Rettung für Griechenland – Warum Euro-Austritt und Haircut keine Lösungen sind
JAN AMRIT POSER, Chefökonom der Bank Sarasin & Cie AG
In einer aktuellen Kolumne analysiert Jan Amrit Poser von Sarasin die aktuelle
Situation Griechenlands:
Ein Euro-Austritt Griechenlands ist kein Thema für die Eurozone, ein Schuldenschnitt
unwahrscheinlich. Aber eine Reprofilierung der Schulden würde Griechenland Luft
verschaffen, den Euro-Schutzschirm schonen und Privatgläubiger in der Pflicht belassen.
In der Eurozone herrscht zunehmende Unsicherheit. Ausgelöst wurde diese durch die
Feststellung der EU-Finanzminister, dass das griechische Reformprogramm ins Stocken
geraten ist. Die Rating-Agenturen Standard & Poor’s und Fitch haben ihre Einschätzung
der griechischen Kreditwürdigkeit auf nunmehr B bzw. B+ reduziert – auf Schrott-Status
weit unter «Investment Grade». Die griechische Regierung wurde ultimativ dazu aufge-
fordert, ein weitreichendes Privatisierungsprogramm zu beginnen, das dem Staats-
haushalt 50 Milliarden Euro einbringen und die Selbstheilungskräfte der Wirtschaft
mobilisieren soll. Inzwischen ist jedoch klar, dass Griechenland nicht wie geplant
im Jahr 2012 an die Kapitalmärkte zurückkehren wird. Um die Fälligkeiten des Jahres
2012 zu begleichen, werden fast 60 Milliarden Euro benötigt. Das Privatisierungs-
programm wird, selbst wenn es rechtzeitig kommt, nicht ausreichen, um den
Kapitalbedarf zu decken.
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