Bank Sarasin: Wie hart wird die Landung?
Jan Amrit Poser, Chefökonom bei der Bank Sarasin & Cie AG
Seitdem die Wachstumsindikatoren im ersten Quartal 2011 ihren Zenit erreicht hatten,
sind sie seit dem zweiten Quartal massiv eingebrochen. So fiel der viel beachtete
US-ISM-Index von seinem Boom-Niveau von 60.4 im Februar auf 50.6 im August. Der
Schweizer Einkaufsmanagerindex rutschte im selben Zeitraum von 63.4 auf nur noch
51.7. Das deutet eine extrem rasche Verlangsamung des Produktionswachstums an. Die
Erleichterung war, dass beide Indizes noch immer über der Grenze von 50 notieren,
welche Wachstum und Schrumpfung voneinander trennt. Insbesondere die Schweizer
Konjunktur scheint in Anbetracht der belastenden Frankenstärke vorerst sehr robust.
Der Einkaufsmanagerindex Eurolands notiert schon auf 48.9, aber auch die Nicht-
Euroländer Großbritannien und Schweden sind unter 50 in einen Bereich gefallen,
der eine Industrierezession impliziert. Auch vor den exportabhängigen Schwellen-
ländern Asiens macht die Verlangsamung nicht Halt: China, Taiwan und Korea zeigen
ebenfalls Schrumpfungstendenzen in der Industrie.
Die ursprüngliche Hoffnung, dass der Unterbruch der Lieferketten im Gefolge des
Erdbebens von Japan und der Anstieg der Ölpreise im Zuge der Libyenkrise nur einen
nur kurzfristigen Wachstumsdämpfer ausgelöst haben, scheint sich damit zunehmend
zu zerschlagen. Auch wenn sich in einigen Daten – wie zum Beispiel der Produktion
und dem Konsum in den USA – eine gewisse Erholung des durch Japans Katastrophe
besonders betroffenen Auto-Bereichs zeigt, scheint der konjunkturelle Abwärtstrend
inzwischen eine Eigendynamik entwickelt zu haben. Die am Freitag veröffentlichten
Arbeitsmarktdaten aus den USA zeigen an, dass im August keine neuen Stellen
geschaffen wurden und die Einkommen unter Druck geraten.
Entgegen der landläufigen Meinung denken wir aber, dass die globalen Wirtschafs-
politiker eine harte konjunkturelle Landung abwenden können, wenn sie rechtzeitig
handeln. Auch wenn die Staaten aufgrund ihrer hohen Verschuldung mit dem Rücken
zur Wand stehen, haben sie Spielraum. Wenn sie kurzfristige Stimuluspakete
ankündigen und gleichzeitig darstellen, mit welchen Maßnahmen sie des Schulden-
anstieges langfristig Herr zu werden gedenken, zeigen sie sowohl ihren Willen
zur Stützung der Wirtschaft und festigen das Vertrauen in ihren Sparwillen. Auch
die Geldpolitik kann noch mehr tun. Die Europäische Zentralbank hat sich im
letzten Halbjahr Spielraum für erneute Zinssenkungen geschaffen. Auch wenn in
den USA das Zinsinstrument ausgereizt ist, hat die US-Notenbank letztes Jahr
gezeigt, wie sie durch eine Stabilisierung der Aktienmärkte die Zukunftser-
wartungen stärken und die Investitionen stimulieren kann. Wir gehen davon aus,
dass bald weitreichende Ankündigungen der Weltwirtschaftspolitiker folgen werden.
Durch beherztes politisches Eingreifen sollte eine harte Landung vermieden
werden.
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