AXA IM Monatsbericht: Ausser Atem
Raphael Gallardo
Franz Wenzel
In Ihrem aktuellen Monatsbericht schreiben Raphael Gallardo und Franz Wenzel
von AXA Investment Managers:
Nach einem mörderischen Sommer haben sich die vor zwei Monaten aufgekommenen
Hoffnungen auf eine rasche Erholung der Weltwirtschaft weitgehend verflüchtigt.
Tatsächlich sprachen die Konjunkturdaten im Juli wieder für Wachstum – etwa
der private Verbrauch und die Auftragseingänge in den USA. Doch dann gelang
weder den Amerikanern noch den Europäern ein verantwortungsvoller Umgang mit
den schwierigen Staatsfinanzen. Die Diskussion über die Schuldengrenze und
die mittelfristige Haushaltskonsolidierung in den USA sowie die halbherzige
Reaktion der Europäer angesichts des Übergreifens der Griechenland-krise auf
andere Länder wogen am Ende stärker als der anfängliche Optimismus von
Unternehmen und Verbrauchern.
Trotz der hohen Unsicherheit setzen wir weiter auf Investmentgrade-Papiere. Sie erscheinen derzeit sehr günstig bewertet. Auf Länderebene bevorzugen wir die USA, wegen ihrer größeren Distanz zu den europäischen Problemen. Auf Sektorebene bevorzugen wir Industrieanleihen, weil die meisten Unternehmen über gut gefüllte Kassen verfügen und ihr Refinanzierungsbedarf gering ist. Auch Hochzinsanleihen sind günstig bewertet; zurzeit sind Ausfallquoten von etwa 7 bis 9% in ihren Spreads berücksichtigt, so wie sie bei einer normalen Rezession zu erwarten wären. Trotz der günstigen Bewertung bleibt die technische Marktverfassung aber instabil. Neuemissionen sind so gut wie unmöglich, und es gibt hohe Mit- telabflüsse aus High-Yield-Fonds. Auch dürfte die Volatilität kurzfristig hoch sein. Folglich verringern wir unser Engagement und gewichten Hochzins- anleihen trotz der attraktiven Bewertungen jetzt neutral. Aktien: Politische Börsen Trotz der jetzt deutlich niedrigeren Wachstumserwartungen ist die Konjunktur noch immer ein großer Unsicherheitsfaktor. Anders als im August raten wir daher jetzt wieder zu einer neutralen Aktiengewichtung. Hinzu kommt als größtes Problem die europäische Staatsschuldenkrise. Sie beherrscht noch immer die Köpfe der Anleger und mahnt zur Vorsicht, zumindest in Europa. All dies spricht für einen sehr volatilen Herbst. Aber warum gehen wir dann nicht gleich zu einer Untergewichtung von Aktien über? Dar gibt es drei Gründe: (1) Unser Basisszenario ist nach wie vor, dass die Weltwirtschaft und insbesondere die USA einer Rezession entgehen. (2) Die Zentral- banken ändern ihr Verhalten: Die Fed hat sich zu einer expansiven Geldpolitik be- kannt; die EZB kauft Staatsanleihen, die sonst niemand will; und die Notenbanken der Emerging Markets haben mit Zinssenkungen begonnen. (3) Zumindest auf dieser Seite des Atlantiks geht man an den Aktienmärkten von außerordentlich niedrigen Unternehmensgewinnen aus. Die Kurse betragen in Europa zurzeit nur das 8-fache der erwarteten Gewinne (weltweit beträgt das KGV 10). Bestätigt wird dies durch eines unserer bevorzugten Bewertungsmaße, das Kurs-Gewinnwachstums-Verhältnis, das zurzeit etwa Eins beträgt. Damit liegt es um mehr als eine Standardabweichung unter dem langfristigen Durchschnitt. Die Länderallokation entspricht unserer Markteinschätzung: Wir bevorzugen außereuropäische Aktien, insbesondere amerikanische. Außerdem gehen wir davon aus, dass die Notenbanken der Emerging Markets in Zukunft eher das Wachstum stützen als die Inflation bekämpfen – so, wie es die brasilianische Zentralbank mit der jüngsten Zinssenkung bereits vorgemacht hat. In den Emerging Markets dürfte es weitere Zinssenkungen geben. Trotz ihres höheren Betas schätzen wir die Emerging Markets nach wie vor positiv ein.
Disclaimer: Diese Meldung ist keine Empfehlung zu einer Fondsanlage und keine individuelle Anlageberatung. Vor jeder Geldanlage in Fonds sollte man sich über Chancen und Risiken beraten und aufklären lassen. Der Wert von Anlagen sowie die mit ihnen erzielten Erträge können sowohl sinken als auch steigen. Unter Umständen erhalten Sie Ihren Anlagebetrag nicht in voller Höhe zurück. Die in diesem Kommentar enthaltenen Informationen stellen weder eine Anlageempfehlung noch ein Angebot oder eine Aufforderung zum Handel mit Anteilen an Wertpapieren oder Finanzinstrumenten dar.
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