UBP-Kommentar: Der verspätete und knappe Sieg
Norman Villamin, Chief Investment Officer (CIO)
Wealth Management und Head of Asset Allocation bei
Union Bancaire Privée (UBP)
Der verspätete und knappe Sieg, mit dem die Demokraten die Kontrolle über die Legislative übernommen haben, ist für Investoren wichtig
Die Demokraten haben mit dem knappen Ausgang der Stichwahlen in Georgia beide Sitze im US-Senat gewonnen. Damit werden Demokraten und Republikaner zwar jeweils 50 Sitze in der Kammer halten. Die entscheidende Stimme liegt jedoch bei der designierten Vizepräsidentin Kamala Harris, was den Demokraten eine hauchdünne Mehrheit bei der Verabschiedung von Gesetzen gibt. Der verzögerte und knappe Sieg, durch den die Demokraten die Kontrolle über die Legislative übernehmen, ist für Investoren wichtig. Hätte der designierte Präsident Biden das Weiße Haus gewonnen und die Demokraten die Kontrolle über den Senat in der prognostizierten -Blauen Welle- übernommen, wäre die US-Politik möglicherweise eher auf Umverteilung als auf Stimulierung ausgerichtet gewesen. Die geplanten Fiskalausgaben wären dabei durch eine fast gleichzeitige Erhöhung der Unternehmens- und Einkommenssteuern für Privatpersonen mit hohem Einkommen gedeckt worden - was möglicherweise die Fehler von Japan in der Deflationskämpfen wiederholt hätte. Stattdessen bietet sich der der Biden- Administration nun die versöhnlichere politische Möglichkeit, Steuer- und Ausgabenmaßnahmen zu verabschieden, die innerhalb eines 10-Jahres-Fensters durch neue Steuern oder Ausgabenverschiebungen bezahlt werden.
Um die beiden Sitze im Senat von Georgia zu gewinnen, versprachen die Demokraten, die Hilfszahlungen von 600 US-Dollar pro Person auf 2.000 US-Dollar zu erhöhen, um den Privathaushalten bereits im Februar 300-450 Milliarden US-Dollar zur Verfügung zu stellen. Auf diese Weise wollten sie Zeit gewinnen, sowohl für die Impfstoffausbringung als auch für die Festlegung der Ausgabenprioritäten durch die kommende Biden-Regierung bis April/Mai, einschließlich der Programme für Infrastruktur und saubere Energie. Der designierte Präsident Biden und die Demokraten im Kongress haben nun den politischen Rückhalt, die anstehenden Ausgaben in das Jahr 2021 vorzuziehen und Steuererhöhungen zur Finanzierung der neuen Programme später in das 10-Jahres-Fenster zu verschieben, so dass sich die Anleger auf mehr vorgezogene Fiskalausgaben und mehr nachgelagerte Steueränderungen freuen sollten, als bisher erwartet."
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