Institut der deutschen Wirtschaft | China: Fairer Yuan-Kurs könnte Deutschland Milliarden bringen
Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V.
Investmentfonds.de | Köln, 22.06.2026 - Um Exporte zu verbilligen, verhindert China seit Jahren eine Aufwertung seiner Währung. Eine Simulation des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt: Wäre der Yuan fair bewertet, würde das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) binnen drei Jahren um zusammen mehr als 40 Milliarden Euro höher ausfallen.
Die von China künstlich niedrig gehaltene Währung kostet Deutschland Wachstum. Wie eine vom Auswärtigen Amt geförderte IW-Studie zeigt, würde die preisbereinigte BIP in Deutschland und dem Euroraum bei einer fairen Bewertung des Yuan im Jahr 2028 um bis zu 0,3 Prozent höher ausfallen. Über die Jahre 2026 bis 2028 summiert sich das für Deutschland auf rund 43 Milliarden Euro (in Preisen von 2025).
Vor allem seit den massiven Preissteigerungen ab 2021 infolge von Lieferkettenengpässen und der Energiekrise hierzulande verhindert China eine Aufwertung des Yuan gegenüber dem Euro. Die gezielte Unterbewertung verbilligt chinesische Exporte und macht Importe teurer. Auch deshalb sind die deutschen Ausfuhren nach China deutlich gesunken und die Einfuhren chinesischer Güter massiv gestiegen. Das deutsche Handelsbilanzdefizit mit China ist auf rund 90 Milliarden Euro gestiegen. Trotz der gestiegenen Nachfrage nach Yuan zur Bezahlung chinesischer Waren hat sich die Währung nicht entsprechend verteuert, da China keinen freien Wechselkurs zulässt, sondern ein staatlich gesteuertes Währungsmanagement betreibt.
Auch China würde profitieren Eine faire Bewertung des Yuan würde zudem China helfen, die exportlastige und konsumschwache Wirtschaft des Landes besser auszubalancieren. Zwar würde das chinesische BIP durch den Rückgang der Exporte zunächst kurzfristig einbrechen. Doch in der Simulation kommt es schnell zu einer Gegenbewegung durch einen Anstieg der inländischen Nachfrage: Weil Ausfuhren unattraktiver werden, verbleiben mehr Waren auf dem heimischen Markt, was die Preise senkt. Auch Zinssenkungen regen den privaten Konsum an, was durch Steuererleichterungen zusätzlich gefördert werden könnte. Der Anstieg der Binnennachfrage gleicht den verminderten Exportüberschuss bereits nach wenigen Jahren weitgehend aus. Bis 2028 erreicht Chinas Wirtschaft somit fast wieder das Niveau des Basisszenarios mit unterbewerteter Währung.
Gift für den fairen Handel
„Für den freien Handel ist Chinas Währungsmanagement Gift“, sagt IW-Experte Jürgen Matthes. Durch die Unterbewertung des Yuan verkaufe China seine Waren deutlich günstiger als sie eigentlich sein dürften – und gewinne Marktanteile, die es im fairen Wettbewerb nie erhalten würde. „China spielt mit gezinkten Karten. Europa sollte mit Ausgleichszöllen für gleiche Bedingungen sorgen“, so der Außenhandelsexperte.Zur Methodik: Für die Simulation mit dem Global Economic Model von Oxford Economics, mit dem die weltwirtschaftliche Entwicklung unter veränderten Annahmen durchgerechnet wird, wurde der Yuan um 40 Prozent aufgewertet. Nach Einschätzung von Experten entspricht dies in etwa einer fairen Bewertung.
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