Franklin Templeton | Südkoreas Chips ausverkauft bis 2026, Brasiliens Seltene Erden kaum erschlossen
Marcus Weyerer, Director, ETF Investment Strategy, EMEA, bei Franklin Templeton
- Die neue Geografie des Kapitals
Investmentfonds.de | Achtzehn Monate Rally, und noch immer sind die meisten Investoren untergewichtet. Das ist die paradoxe Ausgangslage an den Emerging Markets im Frühjahr 2026. Während der Iran-Konflikt den Ölpreis von 60 auf zwischenzeitlich 120 Dollar trieb und Reflexe Richtung Safe-Haven auslöste, zeichnen die Fundamentaldaten ein differenzierteres Bild — eines, das aktive Anleger nicht ignorieren sollten.
Der Dollar: Kirsche, nicht Kuchen
Lange galt der Dollar als das einer der entscheidenden Makroindikatoren für Schwellenländer-Investments. Diese Ära ist vorbei, zumindest in ihrer absoluten Form. Der Dollar ist „the cherry on the cake“. Wenn die Kirsche fehlt, ist der Kuchen trotzdem noch lecker.Entscheidender ist die strukturelle Untergewichtung, von der Profi- wie Privatanleger gleichermaßen betroffen sind. Noch immer liegen aktive globale Fonds deutlich unter der Benchmark-Gewichtung der Emerging Markets, trotz der Rally der letzten anderthalb Jahre. Als Makro-Rückenwind wirkt dabei nicht nur der schwächere Dollar (der DXY-Index notiert 2 bis 3% im Minus gegenüber von vor einem Jahr, beim Hoch zur Iran-Eskalation zuletzt wieder leicht erholt), sondern vor allem ein strukturell günstigeres Finanzierungsumfeld: Rund 4,5 Billionen Dollar an Dollar-denominierten Verbindlichkeiten lasten auf Schwellenländern. Jeder Prozentpunkt weniger im Dollar-Zinsniveau entlastet die Financial Conditions erheblich.
Das Iran-Szenario zeigt, dass der Dollar bei geopolitischen Schocks reflexartig aufwertet. Doch die Reaktion fiel dieses Mal gedämpfter aus als in vergleichbaren Stressphasen früherer Jahre. Eine ähnliche Situation vor ein paar Jahren haette wohl eine deutlich staerkere Reaktion hervorgerufen.
Ölpreisschock: Differenzierung ist wichtig
Ein höherer Ölpreis trifft die Emerging Markets nicht gleichmäßig. Die unmittelbare Reaktion ist meist jedoch ein breiter Risk-off-Reflex: Anleger ziehen Kapital aus riskanteren Märkten ab, der Dollar gewinnt als Safe Haven, und EM-Aktien geraten unter Druck. Doch dieser erste Reflex verschleiert die eigentliche Wirkung. Wie sieht es in den einzelnen Ländern aus?Indien: Das Land ist strukturell ein Ölimporteur. Als Faustregel gilt: Steigt der Ölpreis um 10 Dollar pro Barrel, kann das Indien 15 bis 20 Basispunkte des Bruttoinlandsproduktes kosten — über höhere Importkosten, fiskalische Subventionen für Kraftstoff und steigende Unternehmenskosten. Der Ölpreis ist von rund 60 Dollar auf zwischenzeitlich 120 Dollar gestiegen, zuletzt bei etwa 90 Dollar. Bei einem anhaltend höheren Niveau von 100 Dollar — also einem Plus von 40 Dollar — wären das gut 80 Basispunkte weniger Wachstum. Für ein Land, das dieses Jahr eigentlich mit 6,8 Prozent BIP-Wachstum kalkuliert hatte, wäre das schmerzhaft — brächte aber immer noch solides Wachstum von rund 6 Prozent.
China: Peking bezieht erhebliche Mengen iranisches Öl. Kurzfristig helfen strategische Reserven und alternative Lieferwege über Russland. Mittelfristig aber könnte ein anhaltender Iran-Konflikt Chinas Energieversorgung strukturell verteuern, gerade wenn iranisches Öl durch Sanktionen langfristig ausfällt. Gleichzeitig sitzt China geopolitisch in einer Zwickmühle: Weder hat Peking ein Interesse an eskalierenden Energiepreisen, noch kann es offen den US-Forderungen im Iran-Konflikt folgen, ohne eigene Verbündete zu verprellen.
Saudi-Arabien: Der Exporteur profitiert prinzipiell von höheren Preisen, aber nur, solange seine Exportrouten offen sind. Im direkten Spannungsfeld des Konflikts ist das keine Selbstverständlichkeit. Das Land leidet unter dem klassischen Dilemma des Ressourcenreichtums: Profitiert von hohen Preisen, ist aber gleichzeitig der Instabilität der Region ausgesetzt.
Brasilien: Klarer Gewinner. Das Land ist Ölexporteur und profitiert direkt. Dazu kommen Rohstoff-Diversifikation (Industriemetalle, Nahrungsmittel, seltene Erden), geografische Distanz zum Konfliktherd und eine wachsende geopolitische Bedeutung als Rohstofflieferant für die USA.
KI und Chips: Die 80-Prozent-Story aus Seoul
Wer den eigentlichen Treiber der Emerging-Markets-Rally sucht, landet unweigerlich in Südkorea. Dort hat ein Markt in 12 Monaten um weit mehr als 100 Prozent zugelegt. Der KOSPI ist eine Fahnenstange, getragen von einer fundamentalen Knappheit: Memory-Chips.80 Prozent der globalen High-Bandwidth-Memory-Chips (HBM) werden in Südkorea produziert — primär von Samsung und SK Hynix. Die restlichen 20 Prozent kommen von Micron in den USA. Drei Unternehmen also kontrollieren nahezu die gesamte Weltproduktion eines Bauteils, das für KI-Systeme unverzichtbar ist. HBM-Chips ermöglichen nicht nur das Training von KI-Modellen, sondern vor allem auch deren Betrieb, das sogenannte Inferenz, also das Abrufen von Antworten in Echtzeit.
Das Angebot ist so knapp, dass die Produktionskapazitäten für das Jahr 2026 bereits vollständig ausverkauft sind und neue Kapazitäten erst Mitte 2027 ans Netz gehen. Die Nachfrage kommt von den Hyperscalern und die aktuelle Berichtssaison laesst erahnen, dass der Durst von Microsoft, Amazon, Google und Co. nach Memory 2027 dann noch einmal deutlich höher liegen dürfte.
Korea ist aus unserer Sicht auch eine strukturelle Absicherung gegen einen KI-Enttäuschungsfall: Selbst wenn die Hyperscaler in drei Jahren feststellen, dass sie zu viel investiert haben, das Geld ist bereits bei Samsung und SK Hynix. Die Chiplieferanten kassieren bis auf weiteres unabhängig davon, ob KI die versprochenen Renditen bringt.
Der Schweinezyklus im Chipmarkt — der in der Vergangenheit bei nachlassender Konjunktur brutal zuschlug — scheint strukturell unterbrochen: Wir sind vermutlich erst 20 bis 30 Prozent in dieser Buildout-Phase. Auch hier zeigt die Berichtssaison zum ersten Quartal, dass keiner der grossen Investoren in Chips und Infrastruktur riskieren moechte, im Wettrennen zur KI-Dominanz den Anschluss zu verlieren.
China: Das National Team drückt auf die Bremse
Chinesische Aktien schwächeln — aber nicht aus den Gründen, die meist bekannt sind, wie zum Beispiel der seit Jahren schwache Immobilienmarkt. Der eigentliche Bremsklotz ist derzeit die chinesische Regierung selbst, genauer: das sogenannte „Nationalteam“. Dieses lose Bündnis aus staatlichen Banken, Versicherern und Pensionsfonds war in den vergangenen Jahren immer dann aktiv, wenn der Markt absackte, indem es kaufte. Derzeit geschieht das Gegenteil.Hintergrund: Das Verhältnis ausstehender Margin Kredite (Kreditspekulation) zur Marktkapitalisierung war auf Niveaus von 2015 gestiegen, damals hatte die Regierung nicht eingegriffen, mit katastrophalen Folgen. Diesmal tritt Peking behutsam auf die Bremse, vor allem bei A-Shares, die im Hang Seng nicht enthalten sind. Das dämpft kurzfristig die Kurse, zeugt aber von einem besonnenen Ansatz der chinesischen Berhoerden.
Für langfristig orientierte Investoren ist das strukturell positiv zu werten: Peking handelt antizyklisch. Die Schwäche ist regulatorisch erzwungen, nicht fundamental begründet. Hinzu kommt: Das Universum «China» ist komplexer als der Hang Seng suggeriert. Professionelle Anleger kombinieren A-Shares (Festland), Hong-Kong-notierten H-Shares und US-gelistete ADRs zu einem vollständigen Bild.
Fundamental sprechen strukturelle Faktoren für China: Mehr als die Hälfte der globalen Patente kommen aus China, 66 Prozent des globalen Wirtschaftswachstums entfallen auf Emerging Markets — mit China als größtem Einzelbaustein. Die Untergewichtung in institutionellen Portfolios, jahrelang durch den «uninvestierbar»-Narrativ genährt, ist noch nicht vollständig aufgeholt. Das schafft Nachholpotenzial.
Brasilien: Der stille Gewinner der Rohstoffgeopolitik
Brasilien ist nach Korea Franklin Templetons derzeit bevorzugter Emerging Markets Markt, und der Iran Konflikt hat dieses Argument noch verstärkt. Das Land kombiniert in seltener Weise: Ölexporte, Nahrungsmittelexporte, Industriemetalle und — strategisch wichtiger denn je — seltene Erden.Konkret: Brasilien besitzt 20 Prozent der globalen Reserven seltener Erden, produziert aber derzeit nur etwa 1 Prozent des weltweiten Outputs. Der gesamte Verarbeitungssektor liegt in China. Sollte das Auseinanderdriften von USA und China weitergehen und Washington Versorgungsketten für kritische Materialien diversifizieren wollen — ein Prozess, der Jahrzehnte dauert, aber bereits begonnen hat —, dann ist Brasilien einer von wenigen möglichen Alternativen.
Die Binnenwirtschaft zeigt ein ambivalentes Bild: Die Zentralbank hat den Leitzins auf 15 Prozent erhöht, in einem globalen Umfeld sinkender Zinsen ein aggressiver Schritt.Die Inflation liegt bei rund 4 Prozent, leicht oberhalb des Zielbands (3 Prozent ±1,5 Prozentpunkte), aber noch innerhalb des akzeptablen Korridors. Das schafft erheblichen Spielraum für Zinssenkungen.
Das strukturelle Defizitproblem bleibt: Sozialausgaben sind inflationsindexiert und per Gesetz festgeschrieben, eine grundlegende Reform ist politisch kaum durchsetzbar, jedenfalls nicht unter der aktuellen Linksregierung von Lula. Die Parlamentswahlen im Oktober 2026 könnten eine Wende bringen, möglicherweise unter Flavio Bolsonaro; das wäre markttechnisch positiv, setzt aber eine parlamentarische Mehrheit voraus.
Obwohl Brasiliens makrooekonomische Stabilitaet auch dem hohen Anteil des Binnenkonsums zu verdanken ist, ist für Indexanleger das Konsumthema eher zweitrangig: Der Aktienmarkt wird von Öl- und Rohstoffunternehmen sowie dem Finanzsektor dominiert. Consumer Staples und Discretionary sind nur marginal vertreten. Brasilien ist für Anleger in erster Linie eine Rohstoff-Story mit Zinssenkungsoption.
- Ende der Nachricht
Die Aussagen einer bestimmten Person geben deren persönliche Einschätzung wieder (Franklin Templeton). Die zur Verfügung gestellten Informationen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und stellen keine Beratung dar (Franklin Templeton)
****
Wie ist die Anlagestrategie der Experten aktuell?
Die INVEXTRA.COM AG hat bereits vor Monaten reagiert und die Investmaxx Stop&Go Depots ihrer Kunden in risikoärmere Anlagen umgeschichtet. „Wir beobachten die Märkte aktuell von der Seitenlinie und warten eine mögliche Korrektur ab. Erst wenn sich eine nachhaltige Lösung im Nahostkonflikt abzeichnet, werden wir wieder selektiv in Aktienmärkte einsteigen“, betont Tittes.
Das Unternehmen setzt bei seiner Vermögensverwaltung auf eine Behavioural-Finance-Strategie, die irrationale Verhaltensmuster von Anlegern und politischen Entscheidungsträgern systematisch berücksichtigt und daraus entstehende Preisanomalien gezielt nutzt, , um rechtzeitig auszusteigen aus Aktienmärkten oder später zu günstigeren Kursen wieder einzusteigen. So konnten die Investmaxx Stop&Go Offenisve Depots seit 1996 ein besseres Rendite-Risikoverhältnis erzielen als der Dax.
Diese Mitteilung stellt keine Anlageberatung dar. Eine persönliche und unabhängige Beratung erhalten Anleger ausschließlich im Rahmen einer qualifizierten Finanzberatung.
>>> Spezialisierte Experten für Fonds und ETFs entwickeln individuelle, global diversifizierte Portfolios, die auf wachstumsstarken Weltmärkten basieren und darauf ausgerichtet sind, Vermögen langfristig vor Krisen und Inflation zu schützen.
INVESTMENTFONDS.DE
TOP Fonds / ETF Vergleich - Wertentwicklung
INVESTMENTFONDS.DE Hinweise in eigener Sache:
*** - Anzeige - Newsletter | Aktuell | Kostenlos
Jetzt kostenlos den wöchentlichen Newsletter mit den aktuellsten Markteinschätzungen und Marktanalysen erhalten!
Interesse auf den Blick in die Zukunft der nächsten Börsenriesen?
Hier einfach mit Email registrieren! Jederzeit kündbar.
- Ende Anzeige -
***
Disclaimer: Diese Meldung ist keine Empfehlung zu einer Fondsanlage und keine individuelle Anlageberatung. Vor jeder Geldanlage in Fonds sollte man sich über Chancen und Risiken beraten und aufklären lassen. Der Wert von Anlagen sowie die mit ihnen erzielten Erträge können sowohl sinken als auch steigen. Unter Umständen erhalten Sie Ihren Anlagebetrag nicht in voller Höhe zurück. Die in diesem Kommentar enthaltenen Informationen stellen weder eine Anlageempfehlung noch ein Angebot oder eine Aufforderung zum Handel mit Anteilen an Wertpapieren oder Finanzinstrumenten dar.
Risikohinweis: Die Ergebnisse der Vergangenheit sind keine Garantie für künftige Ergebnisse. Die Aussagen einer bestimmten Person geben deren persönliche Einschätzung wieder. Die zur Verfügung gestellten Informationen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und stellen keine Beratung dar.
News zum Thema
Weitere News auswählen
Bekannt aus Finanztest
Presseberichte - über Fondsvermittler - "Fondsvermittler im Internet sind häufig die beste Adresse ..."