Capital | Aktienmärkte reagieren positiv auf einen weniger restriktiven Fed-Ausblick
Daniela Hathorn, Senior Finanzmarkt Analystin der Capital.com
Investmentfonds.de - Die Aktienmärkte profitieren von dem am Freitag veröffentlichten, schwächer als erwarteten US-Arbeitsmarktbericht. Im September wurden lediglich 29.000 neue Stellen geschaffen – deutlich weniger als erwartet. Gleichzeitig wurden die Zahlen der beiden Vormonate um insgesamt 60.000 Stellen nach unten revidiert, während die Arbeitslosenquote leicht auf 4,2 % stieg. Die Daten haben die Erwartungen an eine weitere Zinserhöhung der US-Notenbank (Fed) im Oktober gedämpft. Dies verhalf dem Nasdaq 100 am Freitag zu einem neuen Höchststand und nahm zugleich etwas Druck vom US-Dollar.
Das Problem liegt am Anleihemarkt, der sich weiterhin hartnäckig schwach zeigt. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen liegt nach wie vor bei rund 5,25 % – trotz des enttäuschenden Arbeitsmarktberichts und der gesunkenen Erwartungen an eine unmittelbar bevorstehende Zinserhöhung der Fed. Dies unterstreicht die Einschätzung, dass der Ausverkauf am langen Ende der Zinskurve von mehr als nur der Geldpolitik getrieben wird: Hohe Realrenditen, ein umfangreicher Finanzierungsbedarf und der Wettbewerb um Kapital sorgen weiterhin dafür, dass Anleger eine höhere Laufzeitprämie verlangen.
Für die Aktienmärkte ergibt sich daraus eine ungewöhnliche Divergenz: Wachstumsaktien steigen, weil die Erwartungen an die Fed weniger restriktiv geworden sind, während der risikofreie Zinssatz, anhand dessen diese Bewertungen beurteilt werden, weiterhin außergewöhnlich hoch ist.
Auch der Ölmarkt bleibt ein wichtiger Schwerpunkt. Die Rohölexporte aus dem Nahen Osten erholen sich in Richtung des Niveaus vor dem Krieg, während Saudi-Arabien seine Verkaufspreise für Asien im November deutlich senkt. Die OPEC+ hat zudem ihre Produktionsziele für November unverändert gelassen. Der geopolitische Hintergrund bleibt jedoch weit von einer Lösung entfernt: Der Iran erklärt, die Straße von Hormus werde geschlossen bleiben, bis Washington seine Bedingungen akzeptiert. Gleichzeitig dauern Angriffe auf Tanker vor Oman an, und die Kämpfe rund um den Jemen verschärfen sich.
Damit bewegt sich der Markt zwischen einer verbesserten physischen Versorgungslage und einer weiterhin ungelösten politischen Situation. Die Ausgangslage für die Märkte bleibt relativ günstig, sofern der Ölpreis weiter nachgibt und die Anleiherenditen ihren Anstieg nicht wieder aufnehmen. Die schwächeren Beschäftigungsdaten geben der Fed mehr Spielraum für eine Zinspause, während robuste Unternehmensgewinne die Aktienmärkte weiterhin stützen.
Der heute anstehende ISM-Einkaufsmanagerindex für den US-Dienstleistungssektor wird der nächste wichtige Test sein. Ein erneut starker Wert könnte die Dynamik „gute Nachrichten sind schlechte Nachrichten“ wiederbeleben und die Renditen erneut nach oben treiben. Hinweise auf eine Abschwächung der wirtschaftlichen Aktivität würden dagegen die Argumente dafür stärken, dass die Fed zunächst abwartet.
Das am Mittwoch veröffentlichte Protokoll der FOMC-Sitzung dürfte anschließend weitere Aufschlüsse darüber geben, wie groß die Bereitschaft innerhalb der Fed noch ist, die Geldpolitik weiter zu straffen.
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