UK-Wirtschaft in der Rezession
Shamik Dhar, Chefökonom bei BNY Mellon Investment Management
"Die bekannt gegebenen Zahlen verorten Großbritannien im zweiten Quartal in einer Rezession, doch das ist keine neue Erkenntnis. Viele Ökonomen wussten schon seit längerem, dass die Rezession kommen würde. Wichtiger ist, dass Großbritannien das Schlimmste überstanden hat - die Wirtschaft hatte wahrscheinlich schon im April oder Anfang Mai ihren Tiefpunkt erreicht. Der Juni brachte einen deutlichen Aufschwung (um etwa neun Prozent), und auf der Grundlage aktueller Daten wie etwa den Google-Mobilitätsdaten erwarte ich für das dritte Quartal ein starkes Wachstum von über zehn Prozent. Das ist mehr als in den meisten anderen Volkswirtschaften, die im zweiten Quartal weniger deutlich eingebrochen sind. Es besteht ein erheblicher Nachholbedarf: Die Sparquote der britischen Haushalte lag aufgrund des Lockdowns im zweiten Quartal bei etwa 20 Prozent.
Trotzdem bleiben die Aussichten nach wie vor höchst unsicher. Viel hängt davon ab, wie die Pandemie sich weiter entwickelt, aber ich gehe davon aus, dass wir pro Quartal etwa ein Viertel des verlorenen Volumens zurückgewinnen werden.
Konsum- und Unternehmensausgaben
Arbeitslosigkeit Ich gehe davon aus, dass sich die Arbeitslosenquote Mitte 2021 im Bereich von fünf bis sieben Prozent bewegen könnte, aber das ist zum heutigen Zeitpunkt noch sehr ungewiss.
Weitere Risiken Sollte der Aufschwung ins Stocken geraten oder deutlich weniger positiv ausfallen als angenommen, dann gehe ich davon aus, dass die Regierung mit weiteren fiskalischen Maßnahmen einspringt und die Beschäftigungs- und Einkommensprogramme ausweitet. Auch könnte die Bank of England gegen Ende des Jahres mit einem verstärkten Quantitative-Easing-Programm einspringen. Aber, und das ist wichtig: An diesem Punkt sind wir noch nicht angelangt.
Brexit Ein zusätzlicher Joker zum Jahresende ist der Brexit. Ich war lange Zeit weniger pessimistisch als viele andere Wirtschaftsexperten, was die direkten wirtschaftlichen Auswirkungen angeht, sollte der Brexit in seiner härtesten Variante kommen und insbesondere höhere Handelskosten mit der EU bringen. Doch auch hier bleibt die Unsicherheit sehr groß."
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