J O Hambro | Globale Champions mit UK-Rabatt
Tom Matthews, Fund Manager der UK Dynamic Strategy bei J O Hambro
Investmentfonds.de | Großbritannien bleibt an den Kapitalmärkten unbeliebt. „Genau darin sehen wir eine Chance. Denn in London notieren zahlreiche globale Qualitätsunternehmen mit soliden Bilanzen, hohen Cashflows und deutlichen Bewertungsabschlägen. In einem Umfeld wachsender Unsicherheit wird aktives Stockpicking wieder wichtiger“, sagen Vishal Bhatia, Senior Fonds Manager und Tom Matthews, Fondsmanager bei JO Hambro:
Der britische Aktienmarkt hat seit Jahren ein Imageproblem. Politische Unsicherheit, schwaches Wachstum, Kapitalabflüsse und eine geringe internationale Anlegernachfrage haben dazu geführt, dass britische Aktien mit erheblichen Bewertungsabschlägen gehandelt werden. Viele Investoren sehen Großbritannien noch immer durch die Brille von Brexit, Binnenkonjunktur und politischer Volatilität.
Wir halten diese Sicht für zu pauschal. Der britische Markt ist heute weniger ein reiner Ausdruck der britischen Wirtschaft als vielmehr ein Sammelbecken international tätiger Unternehmen, die zufällig in London notiert sind. Viele von ihnen erzielen einen Großteil ihrer Umsätze außerhalb Großbritanniens, verfügen über globale Marktpositionen und handeln dennoch mit einem UK-Abschlag.
Der Abschlag britischer Aktien gegenüber den USA liegt nach unseren Berechnungen bei 26,7% und damit auf einem Mehrdekadenniveau. Besonders ausgeprägt ist die Fehlbewertung im FTSE 250 und im Small-Cap-Segment. In den vergangenen vier Jahren haben FTSE-250-Werte um 21% und Small Caps um 18% gegenüber größeren Werten underperformt. Diese Abschläge sind aus unserer Sicht nicht immer fundamental gerechtfertigt. In Phasen hoher Unsicherheit verkaufen Anleger häufig pauschal kleinere und mittelgroße Unternehmen und flüchten in liquide Blue Chips. Dadurch werden auch global tätige, gut kapitalisierte Unternehmen abgestraft, nur weil sie in London notiert sind. Genau hier entstehen Chancen für aktive Investoren.
KI ist nicht nur ein Risiko, sondern auch ein Infrastrukturthema
Ein zentrales Thema bleibt künstliche Intelligenz. Die Debatte wird häufig binär geführt: KI-Gewinner gegen KI-Verlierer. Wir halten diese Sicht für zu einfach. KI wird Geschäftsmodelle verändern, Margen unter Druck setzen und neue Wettbewerber hervorbringen. Gleichzeitig schafft KI einen enormen Bedarf an Infrastruktur.Das zeigt sich am Beispiel BT. Über Openreach verfügt das Unternehmen aus unserer Sicht als einziger Anbieter über die Fähigkeit, bis 2030 einen vollständigen Breitbandausbau für Haushalte in Großbritannien umzusetzen. Ziel sind 30 Mio. Haushalte. BT investiert seit 2021 in diesen Ausbau und hat den Höhepunkt der Investitionsausgaben inzwischen überschritten. Deshalb sehen wir eine deutliche Verbesserung des freien Cashflows: von derzeit rund 1,5 Mrd. £ auf etwa 3 Mrd. £ jährlich bis zum Ende des Jahrzehnts. Das Beispiel illustriert eine breitere Investmentthese. KI braucht nicht nur Modelle und Software, sondern auch Netzwerke, Rechenleistung, Datenübertragung und Energie. Unternehmen, die diese Infrastruktur bereitstellen, können von einem neuen Investitionszyklus profitieren.
Gleichzeitig gibt es Geschäftsmodelle, die vom Markt pauschal als KI-gefährdet betrachtet werden. Dazu zählt WPP. Der Werbekonzern steht seit dem Aufkommen generativer KI unter Druck, weil Investoren eine Disruption klassischer Agenturleistungen befürchten. Wir halten diese Sorge nicht für irrelevant, aber die Bewertung reflektiert aus unserer Sicht inzwischen sehr viel Pessimismus. Die Free-Cashflow-Rendite von WPP nähert sich 25%.
In Q1 stellte die neue CEO Cindy Rose einen Restrukturierungsplan rund um WPP Open vor. Zudem soll die Investment-Grade-Bilanz erhalten bleiben. Wir interpretieren das als Hinweis darauf, dass Portfolioverkäufe und eine Reduktion der Nettoverschuldung möglich sind. Auffällig ist zudem die Insiderkaufaktivität: Sowohl Philip Jansen als auch Cindy Rose haben in den vergangenen sechs Monaten jeweils zweimal Aktien gekauft.
Drei neue Ideen
Im ersten Quartal haben wir das Portfolio aktiv weiterentwickelt. Neu aufgenommen wurden Vanquis, Victrex und AB Dynamics. Zwei dieser Unternehmen – Victrex und AB Dynamics – erzielen jeweils mehr als 90% ihrer Umsätze außerhalb Großbritanniens. Beide verfügen aus unserer Sicht über führende Positionen in ihren Nischen, haben aber operative Probleme hinter sich und befinden sich nun in einer Phase neuer Führung und Restrukturierung.Victrex handelt mit einer Free-Cashflow-Rendite von rund 10%. AB Dynamics kommt auf etwa 7%, verfügt aber über eine Nettocashposition von 40 Mio. £, was uns zusätzliche Sicherheitsmarge gibt. Bei Vanquis sehen wir einen grundlegenden Führungswechsel: CEO, CFO und Chairman wurden ausgetauscht. Die Aktie handelt mit einem Abschlag im mittleren Zehnerprozentbereich zum materiellen Buchwert und könnte perspektivisch eine Rendite auf das materielle Eigenkapital im mittleren Zehnerbereich erzielen.
Auch bei Anglo American haben wir die Position deutlich erhöht. Zu Jahresbeginn lag sie bei rund 0,75% des Portfolios, inzwischen bei 2,5%. Wir glauben nicht, dass langfristige Treiber wie Elektrifizierung verschwunden sind. Sie wurden aus unserer Sicht lediglich verzögert. Bewertungsrückgänge haben uns daher die Möglichkeit gegeben, die Position wieder auszubauen.
Unser fünftes Teammitglied
Ein wichtiger Bestandteil unseres Prozesses ist die sogenannte UK Dynamic Factor Analysis, intern inzwischen als unser «fünftes Teammitglied» bezeichnet. Ihre Ursprünge reichen bis 2008 zurück, in den vergangenen zwei Jahren haben wir sie aber deutlich stärker in unseren Anlageprozess integriert. Das System ist kein automatisches Stock-Picking-Modell. Es ist ein Analysewerkzeug, das große Mengen an Marktdaten verarbeitet und uns hilft, Risiko und Ertrag systematisch zu vergleichen. Dabei betrachten wir nicht nur Analystenberichte und Konsensschätzungen, sondern auch Informationen aus CDS-Märkten, Anleihemärkten, Liquiditätsdaten und Bilanzkennzahlen. Die Analyse umfasst sechs Risikofaktoren und einen Ertragsfaktor. Ziel ist es, zu erkennen, wie sich das Risiko-Ertrags-Profil einzelner Aktien relativ zueinander verändert. Besonders wertvoll ist das in volatilen Märkten, wenn Aktien um 10 bis 15% schwanken und Emotionen den Markt dominieren.Victrex ist ein gutes Beispiel. Die Aktie tauchte mehrfach in verschiedenen Filtern unseres Systems auf. Das führte nicht zu einem automatischen Kauf, sondern zu weiterer Fundamentalanalyse. Wir prüften Managementwechsel, Insiderkäufe, Marktführerschaft, Free-Cashflow-Rendite und Sicherheitsmarge. Erst danach bauten wir eine Position auf.
Genau so verstehen wir den Einsatz von Daten und Technologie: nicht als Ersatz für Investmenturteil, sondern als Werkzeug, um bessere Fragen zu stellen.
Unsicherheit schafft Fehlbewertungen
Das aktuelle Marktumfeld ist geprägt von ungewöhnlich vielen gleichzeitigen Veränderungen. Schon im ersten Quartal waren geopolitische Spannungen in Venezuela, Diskussionen um Grönland und starke Bewegungen bei Software-as-a-Service-Unternehmen zu beobachten. Danach kam der Iran-Konflikt hinzu. Wir beschreiben dieses Umfeld als «deep uncertainty» – eine Phase, in der unterschiedliche Krisen und strukturelle Veränderungen miteinander interagieren und klassische Prognosen erschweren. Dazu zählen Reindustrialisierung, Reshoring, steigende Kapitalkosten, KI-Investitionen, höhere Energienachfrage, politische Polarisierung und veränderte Marktmechanismen. Immer größere Kapitalströme werden über ETFs, thematische Körbe, systematische Strategien und CTAs bewegt. Das kann kurzfristige Marktbewegungen verstärken und zu binären Narrativen führen: Soft Landing oder Hard Landing, KI-Gewinner oder KI-Verlierer, Eskalation oder Deeskalation.Wir halten solche Schwarz-Weiß-Narrative für gefährlich. Anleger sollten nicht Narrative kaufen, sondern Wahrscheinlichkeiten. Bewertungen sind nichts anderes als die wahrscheinlichkeitsgewichteten künftigen Cashflows eines Unternehmens, abgezinst auf heute. Wenn Märkte aber zunehmend pauschal reagieren, entstehen Fehlbewertungen. Für aktive Investoren ist das eine Chance.
Fazit: Großbritannien muss nicht glänzen, damit britische Aktien attraktiv sind
Der britische Aktienmarkt bleibt unbeliebt. Genau deshalb ist er interessant. Viele Unternehmen werden nach ihrem Börsenplatz bewertet, nicht nach der Herkunft ihrer Umsätze, der Qualität ihrer Geschäftsmodelle oder der Stärke ihrer Bilanzen.Unsere zentrale These lautet: Großbritannien muss makroökonomisch nicht glänzen, damit britische Aktien attraktiv sind. Entscheidend ist, ob Anleger international führende Unternehmen mit soliden Bilanzen, hohem freien Cashflow und Transformationspotenzial zu ungewöhnlich niedrigen Bewertungen kaufen können.
In einer Welt tiefer Unsicherheit wird dieser Unterschied wichtiger. Passive Strategien kaufen den Markt. Aktive Investoren können gezielt dort investieren, wo der Markt pauschal verkauft. Genau darin liegt aus unserer Sicht die Chance in globalen Champions mit UK-Rabatt.
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Wie ist die Anlagestrategie der Experten aktuell?
Die INVEXTRA.COM AG hat bereits vor Monaten reagiert und die Investmaxx Stop&Go Depots ihrer Kunden in risikoärmere Anlagen umgeschichtet. „Wir beobachten die Märkte aktuell von der Seitenlinie und warten eine mögliche Korrektur ab. Erst wenn sich eine nachhaltige Lösung im Nahostkonflikt abzeichnet, werden wir wieder selektiv in Aktienmärkte einsteigen“, betont Tittes.
Das Unternehmen setzt bei seiner Vermögensverwaltung auf eine Behavioural-Finance-Strategie, die irrationale Verhaltensmuster von Anlegern und politischen Entscheidungsträgern systematisch berücksichtigt und daraus entstehende Preisanomalien gezielt nutzt, , um rechtzeitig auszusteigen aus Aktienmärkten oder später zu günstigeren Kursen wieder einzusteigen. So konnten die Investmaxx Stop&Go Offenisve Depots seit 1996 ein besseres Rendite-Risikoverhältnis erzielen als der Dax.
Diese Mitteilung stellt keine Anlageberatung dar. Eine persönliche und unabhängige Beratung erhalten Anleger ausschließlich im Rahmen einer qualifizierten Finanzberatung.
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Disclaimer: Diese Meldung ist keine Empfehlung zu einer Fondsanlage und keine individuelle Anlageberatung. Vor jeder Geldanlage in Fonds sollte man sich über Chancen und Risiken beraten und aufklären lassen. Der Wert von Anlagen sowie die mit ihnen erzielten Erträge können sowohl sinken als auch steigen. Unter Umständen erhalten Sie Ihren Anlagebetrag nicht in voller Höhe zurück. Die in diesem Kommentar enthaltenen Informationen stellen weder eine Anlageempfehlung noch ein Angebot oder eine Aufforderung zum Handel mit Anteilen an Wertpapieren oder Finanzinstrumenten dar.
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