Capital | Geopolitik im Fokus vor Veröffentlichung der Verbraucherpreisdaten
Daniela Hathorn, Senior Finanzmarkt Analystin der Capital.com
Investmentfonds.de | In den vergangenen 24 Stunden wurden die Märkte weiterhin maßgeblich von den Entwicklungen im Nahen Osten bestimmt. Erneute militärische Aktionen der USA und des Iran sowie die Erklärung von Präsident Trump, dass der Rahmen für die Waffenruhe faktisch hinfällig sei, veranlassten Investoren dazu, die geopolitische Risikoprämie – die in den letzten Wochen weitgehend geschwunden war – wieder einzupreisen. Der Ölpreis setzte seine Erholung fort; so kletterte Brent wieder über die Marke von 85 US-Dollar pro Barrel, da Sorgen um die Schifffahrt durch die Straße von Hormus und die Aussichten für iranische Exporte die Marktstimmung erneut dominieren. Gleichzeitig gerieten Aktien unter Druck, insbesondere in Europa, wo höhere Energiepreise ein größeres Risiko für Wachstum und Inflation darstellen. Auch die Renditen von US-Staatsanleihen zogen leicht an, da die Anleger neu bewerten, inwieweit ein weiterer Anstieg der Ölpreise die Inflationsaussichten erschweren könnte.
Der Fokus richtet sich nun auf den US-Verbraucherpreisindex (CPI), der sich als das entscheidende makroökonomische Ereignis der Woche erweisen könnte. Die Märkte werden genau beobachten, ob sich die zugrunde liegende Inflation trotz erneuter geopolitischer Spannungen und gestiegener Energiepreise weiter abschwächt. Ein schwächer als erwartet ausfallender Wert könnte Investoren darin bestärken, dass sich der jüngste Ölpreisanstieg noch nicht nennenswert auf den allgemeinen Preisdruck ausgewirkt hat, und so die Sorgen vor einer weiteren Straffung der Geldpolitik durch die Fed im Laufe dieses Monats lindern. Umgekehrt würde ein stärkerer Wert das Szenario „Higher for Longer“ unter dem Vorsitzenden Kevin Warsh untermauern und den bereits auf Aktien lastenden Druck womöglich noch verstärken. Da zudem die Berichtssaison anläuft, wägen Investoren nun zwei gegensätzliche Faktoren ab: einerseits die robuste fundamentale Verfassung der Unternehmen und andererseits die erneuten Inflations- und geopolitischen Risiken.
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