Capital | US-Futures steigen nach Quartalszahlen von Amazon und Apple
Kyle Rodda, Senior Finanzmarkt Analyst der Capital.com
- FOMC-Entscheidung und Technologie-Ergebnisse lösen Erholung an der Wall Street aus
- Yen legt im Vorfeld der BOJ-Sitzung angesichts wahrscheinlicher Devisenmarktinterventionen kräftig zu
Investmentfonds.de - Die Wall Street verzeichnete dank solider Technologie-Ergebnisse und einer US-Notenbank, die sich weniger restriktiv als befürchtet zeigte, eine spektakuläre Erholung. Angetrieben wurde die Rallye durch eine Wiederbelebung der Technologieaktien, nachdem der NASDAQ im vorangegangenen Handelstag kurzzeitig in eine technische Korrektur gerutscht war und die Sorgen hinsichtlich der Kapitalrendite von KI-Investitionen ihren Höhepunkt erreicht zu haben schienen. Gleichzeitig waren die Bewertungen im historischen Vergleich jedoch deutlich attraktiver geworden: Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des NASDAQ war auf ein Niveau nahe seinem Zehnjahresdurchschnitt gefallen. Diese Dynamik spiegelte eine höhere Risikoprämie aufgrund geopolitischer Risiken und geldpolitischer Unsicherheit wider sowie eine Bewertungskompression, die auf der Annahme beruhte, dass KI-Investitionen sinkende Renditen abwerfen würden. Angesichts von Anzeichen für eine Monetarisierung der KI bei Microsoft, einer scheinbar nachlassenden Dringlichkeit für Zinserhöhungen seitens der Fed und dem Ausbleiben einer neuen Eskalationsstufe im Konflikt zwischen den USA und dem Iran griffen Investoren jedoch bei einem nun fair bewerteten Markt zu.
Die über Nacht veröffentlichten US-Wirtschaftsdaten zeichneten ein uneinheitliches Bild der US-Konjunktur und des geldpolitischen Kurses. Letztlich reagierten die Märkte jedoch nach dem Motto „Das Glas ist halb voll“ – oder „Schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten“. Die Daten zum US-PCE-Preisindex zeigten eine etwas stärker als erwartet ausgefallene Kerninflation: Sie lag bei 3,4 % und damit auf dem Niveau des Vormonats, während ein Rückgang auf 3,3 % erwartet worden war. Der Anstieg im Monatsvergleich fiel mit 0,1 % jedoch moderat aus, was auf einen geringeren zugrundeliegenden Preisdruck in der Wirtschaft hindeutete. Unterdessen blieb die erste Schätzung zum US-BIP hinter den Erwartungen zurück; dies schwächte das Argument, die Wirtschaft sei robust und widerstandsfähig genug, um bevorstehende Zinserhöhungen zu verkraften. Insgesamt boten die Zahlen für jeden etwas. Dennoch stützten sie die Entwicklung an den Zinsmärkten, die durch die Fed am Vortag angestoßen worden war: eine Verringerung der impliziten Wahrscheinlichkeiten für eine Zinserhöhung im September.
Die asiatischen Märkte steuern auf einen positiven Wochenausklang zu, wobei die US-Futures nach den jüngsten Quartalszahlen der „Magnificent Seven“ wieder zulegen. Die Amazon-Aktie klettert, nachdem das Unternehmen – ähnlich wie zuvor Microsoft – genau das lieferte, worauf Anleger gewartet hatten: starkes Wachstum im Cloud-Geschäft und Fortschritte bei der Monetarisierung von KI. Etwas anders stellt sich die Lage bei Apple dar; das Unternehmen gilt nicht als reiner KI-Wert und dürfte an seinen eigenen, hochgesteckten Erwartungen gescheitert sein. Zwar übertraf Apple bei den meisten wichtigen Kennzahlen die Prognosen – auch wenn das Geschäft in China, das unter starkem Wettbewerbsdruck steht, leicht enttäuschte –, doch die Aktie gab im nachbörslichen Handel dennoch nach. Vor der Zahlenvorlage hatte der Kurs knapp unter einem Rekordhoch notiert, nachdem das Unternehmen die Marke von 5 Billionen US-Dollar an Marktkapitalisierung erneut überschritten und sich den Titel des wertvollsten börsennotierten Unternehmens der Welt zurückgeholt hatte. Die vorgelegten Zahlen scheinen jedoch nicht ganz auszureichen, um eine derart hohe Bewertung zu rechtfertigen.
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