Fidelity Marktkommentar: Bundestagswahl lässt Märkte wieder auf Eurokrise fokussieren
Christian von Engelbrechten, Manager des Fidelity Germany Fund:
"Ich gehe nicht davon aus, dass die Wahl große Auswirkungen auf die
deutsche Wirtschaft und die Finanzmärkte haben wird - vor allem
langfristig nicht. Insbesondere die Europapolitik sollte in beiden
Lagern ähnlich aussehen. Auch wenn es noch viel zu verbessern gibt,
erscheint mir eine Fortsetzung der gegenwärtigen Politik im Saldo
vernünftig. Denn die Gewinne deutscher Unternehmen sind in der Krise
weniger stark eingebrochen, haben sich schneller erholt und entwickeln
sich seither besser als in den meisten anderen Ländern. Politische
Rahmenbedingungen wie etwa die Kurzarbeit haben den deutschen Unter-
nehmen dabei deutlich geholfen. Dank harter Reformen hat es Deutschland
in den vergangenen Jahren geschafft, sich vom kranken Mann Europas
zu einer besonders stabilen Säule in der Weltwirtschaft zu entwickeln.
Matt Siddle, Manager des Fidelity European Growth Fund:
"In den vergangenen Monaten hat die deutsche Industrieproduktion
wieder angezogen. Diese Zunahme nach einer schwächeren Periode lässt
sich darauf zurückführen, dass sich sowohl die Exportwirtschaft als
auch der Bausektor erholt haben. Dieser steigende Optimismus kombiniert
mit der Hoffnung, dass die Wahlen einen Politikwechsel in Bezug auf
die europäischen Krisenländer bringen könnten, führte auch zu fallenden
Renditen bei Staatsanleihen dieser Länder. Mir erscheint es jedoch
ziemlich unwahrscheinlich, dass sich die deutsche Politik nach den
Wahlen stark verändern wird. Denn die brutale Wahrheit ist schlicht
und ergreifend, dass es sich auch Deutschland nicht leisten kann,
allein die Schulden der europäischen Krisenländer zu stemmen. Zudem
muss sich auch die Geschwindigkeit der Reformen in den von der
Schuldenkrise betroffenen Ländern deutlich erhöhen, damit dort auch
nur annährend die gleiche Wettbewerbsfähigkeit erreicht wird, die
Deutschland sich über die letzten zehn Jahre erarbeitet hat.
Die global leicht verbesserten Wirtschaftsdaten bedeuten in
Kombination mit den ersten Anzeichen für das Ausklingen des Anleihe-
ankaufprogramms in den USA, dass die langfristigen Zinsen langsam
wieder anfangen dürften, sich von ihren Rekordtiefständen zu entfernen.
Das gilt für Deutschland, aber auch für die USA sowie Großbritannien
und übt Druck auf die langfristigen Anleihepreise aus. Vor diesem
Hintergrund lohnt es sich für Investoren, in Qualitätsaktien zu
investieren, deren Dividenden eine höhere Rendite als Anleihen ver-
sprechen. So können Anleger von den sich aufhellenden wirtschaftlichen
Aussichten profitieren und langfristig attraktive Erträge erwirtschaften."
Tristan Cooper, Analyst für Staatsanleihen bei Fidelity Worldwide Investment:
"Die Wahl in Deutschland wird auf jeden Fall dazu beitragen, dass
die relative Ruhe bei kontroversen Themen in Europa, bei denen
Deutschland aktuell eher in Deckung geht, ein Ende haben wird. Ein
erster Lackmustest wird das nächste Treffen der Eurogruppe am
14. Oktober werden. Portugal und Griechenland stehen dort prominent
auf der Agenda - und man darf gespannt sein, welche Haltung Deutschland
nach der Wahl in Bezug auf die Unterstützung der Peripherieländer
einnimmt. Insbesondere Portugal könnte eine weitere Lockerung seiner
fiskalpolitischen Ziele anstreben, und es ist mit einer hitzigen
Debatte über die Nachhaltigkeit des Schuldenabbaus in beiden Ländern
zu rechnen.
Disclaimer: Diese Meldung ist keine Empfehlung zu einer Fondsanlage und keine individuelle Anlageberatung. Vor jeder Geldanlage in Fonds sollte man sich über Chancen und Risiken beraten und aufklären lassen. Der Wert von Anlagen sowie die mit ihnen erzielten Erträge können sowohl sinken als auch steigen. Unter Umständen erhalten Sie Ihren Anlagebetrag nicht in voller Höhe zurück. Die in diesem Kommentar enthaltenen Informationen stellen weder eine Anlageempfehlung noch ein Angebot oder eine Aufforderung zum Handel mit Anteilen an Wertpapieren oder Finanzinstrumenten dar.
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