Nordea: Vorsicht ist das Gebot der Stunde
Jørgen Jakobsen, Chief Strategist Nordea Bank S.A., schreibt im aktuellen
Marktkommentar:
Im Juli erholten sich Aktien gut vom Ausverkauf im Frühsommer.
Unterstützung erhielten sie dabei von weiteren guten Ergebnisberichten,
die in den meisten Fällen die Prognosen der Analysten übertrafen.
Dagegen blieben die gesamtwirtschaftlichen Daten im August, vor allem
in den USA, im Allgemeinen hinter den Erwartungen zurück. Unseres
Erachtens hat sich das Risiko an den Aktienmärkten erhöht, wir raten
daher zur Vorsicht.
Anleihen, Geschichte und Geschäftswelt mahnen
Im Sommer verzeichneten die meisten wichtigen
Märkte für Staatsanleihen relativ starke Rendi-
terückgänge. Beispielsweise liegen die Renditen
deutscher und japanischer 10-jähriger Staatsanleihen
nun deutlich unter den tiefsten Ständen während
der Finanzkrise. Wir werten das als Hinweis, dass
Anleihenanleger für die nächste Zeit eine Kombi-
nation aus schwachem Wachstum und Infation
erwarten, was ein geringes Umsatzwachstum für
Unternehmen erwarten lässt. Bislang hatte das keine
spürbaren Auswirkungen auf die Aktienmärkte. Wir
wissen aber auch, dass der Anleihenmarkt eine Ver-
langsamung der Konjunktur im Allgemeinen früher
antizipiert als der Aktienmarkt.
In der Vergangenheit war der Herbst häufg eine unruhige Zeit für die Aktienmärkte. Das gilt beson- ders für den September, der früher in der Regel der schlechteste Kalendermonat für Aktienanleger war. Dafür, dass dies auch 2010 so sein wird, sprechen ne- gative technische Signale wie der gleitende 50-Tage- Durchschnitt, der an den meisten Märkten unter den gleitenden 200-Tage-Durchschnitt gesunken ist. Dieses Signal war letztmals im Herbst 2007 negativ für den US-Markt, der rückblickend ein sehr guter Zeitpunkt war, um sich von Aktien zu trennen. Außerdem scheint das Interesse von Privatanle- gern an Aktien zu schwinden. Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Berichts hatten US-Aktienfonds 15 Wochen in Folge Kapitalabfüsse verzeichnet. Für den Zeitraum seit Jahresbeginn nähert sich die Summe dieser Abfüsse der Marke von 50 Mrd. US- Dollar. Die Stimmung dürfte von Faktoren wie der Schwäche des heimischen Arbeitsmarkts und den seit zehn Jahren relativ niedrigen Anlagerenditen getrübt werden. Besorgniserregender ist vielleicht der Umstand, dass die Zahl der US-Anleger, die Kredite aufnehmen und dabei ihre Altersvorsorge als Sicher- heit hinterlegen, stetig wächst. Das deutet darauf hin, dass viele US-Verbraucher möglicherweise massive fnanzielle Probleme haben. Für die Aussicht auf eine Konjunkturerholung verheißt das nichts Gutes. Hoffnungsschimmer Ein Faktor, den wir als Pluspunkt werten, ist die jüngste Zunahme der Fusions- und Übernahmetätig- keit. Bei vielen dieser Transaktionen ist die Barkom- ponente hoch, was zeigt, dass wenigstens einige Unternehmen eine solide Bilanz aufweisen und attraktive Wachstumsperspektiven sehen. Insgesamt wirken außerdem die Aktienbewertungen unseres Erachtens nicht unattraktiv, obgleich das voraussetzt, dass die aktuellen Gewinnschätzungen realistisch sind – ein wichtiger Haken, denn eine Konjunktur- verlangsamung bedeutet zwangsläufg, dass künftig Gewinnenttäuschungen drohen. Defensive Positionierung Da wir der Auffassung sind, dass die negativen Faktoren gegenwärtig die positiven überwiegen, haben wir uns vorsichtig positioniert und unsere Aktienallokation untergewichtet. Was die einzelnen Regionen betrifft, favorisieren wir nach wie vor die Schwellenländer und auf längere Sicht vor allem Asien. Die meisten anderen Regionen beurteilen wir etwa neutral. Innerhalb Europas haben wir kürzlich die Gewichtung Schweizer Aktien erhöht, da der Schweizer Markt, an dem der Gesundheits- und der Massenkonsumgütersektor erhebliches Gewicht ha- ben, im Vergleich zu anderen Märkten sehr defensiv ist.
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