SafraSarasin: Die grosse Abkoppelung - Divergieren Euro- und US-Zinsen in der Zukunft?
Alessandro Bee, Ökonom, Bank J. Safra Sarasin
In einer aktuellen Einschätzung schreibt Alessandro Bee,
Ökonom bei der Bank J. Safra Sarasin:
Eines der grossen, wiederkehrenden Themen im Bereich der
festverzinslichen Anlagen ist die Abkoppelung der Zinsent-
wicklung in Euroland – womit die deutschen Renditen gemeint
sind - von den USA. Dieses Thema hat nun von verschiedener
Seite Aufwind erhalten. In den USA hat ein starker Arbeits-
marktbericht für den Oktober ein frühzeitiges Ende der
Anleihenankäufe durch die US-Zentralbank Fed wieder auf
das Tapet gebracht. In Euroland zeigt der Konsumentenpreis-
index eine starke Verlangsamung der Inflation an. Die
Europäische Zentralbank (EZB) reagierte umgehend auf diese
Inflationsverlangsamung und senkte ihre Leitzinsen von 0.5%
auf 0.25%. Die Wirtschaftsdaten passen in das Bild eines
pragmatischen Fed und einer dogmatischen EZB. Während das
Fed zu Beginn der grossen Rezession rasch entschlossen zu
neuen geldpolitischen Instrumenten gegriffen hat und half
strukturelle Ungleichgewichte zu überwinden, hat eine
dogmatische EZB mit ihrer zögerlichen Geldpolitik zur
Paralyse der Euroland-Wirtschaft beigetragen. Das bedeutet
für die Zukunft, dass das Fed - dank der strukturellen
Erholung der US-Wirtschaft - schon bald mit einer
Normalisierung der US-Leitzinsen beginnen kann. Eurolands
lethargische Wirtschaft hingegen wird die EZB noch für
Jahre zu einer Nullzinspolitik zwingen. Das Resultat wäre
eine Abkoppelung der Geldpolitik und damit auch der lang-
fristigen Zinsen.
Ein Blick zurück auf die Zinsentwicklung der letzten 25 Jahre
stimmt allerdings skeptisch bezüglich einer Abkoppelung der
Zinsen. So sind die deutsche und US-Anleihenrenditen in diesem
Zeitraum stark korreliert. Das gilt sowohl für das Niveau der
Renditen als auch für deren zyklisches Verhalten. Die Zins-
differenz für 10-jährige Papiere liegt denn heute auch im
historischen Vergleich mit ca. 100 Basispunkten bereits am
oberen Ende der Bandbreite. Der Gang der US- und der Euroland-
Wirtschaft kann zuweilen stark divergieren, letztendlich fand
jedoch immer wieder eine Angleichung der zwei Konjunkturzyklen
statt. Dank Exporten und dem Kapitalmarkt überträgt sich das
Wachstum der einen Region auf die andere. Damit synchronisiert
sich auch die Geldpolitik der Zentralbanken und sorgt dafür,
dass sich auch die langfristigen Zinsen nicht entkoppeln.
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