Capital | Disinflation kommt Gold zugute
Daniela Hathorn, Senior Finanzmarkt Analystin der Capital.com
Investmentfonds.de - Zu Beginn dieser Woche hatte man das Gefühl, dass die Märkte den Atem anhielten und gespannt darauf warteten, was die US-Verbraucherpreisdaten (CPI) für Juli über den Fortschritt beim Disinflationsprozess aussagen würden.
Die schwächeren Arbeitsmarktdaten der vergangenen Woche deuteten darauf hin, dass die US-Wirtschaft möglicherweise nicht so robust ist wie bislang angenommen. Da sich die US-Notenbank (Fed) jedoch an ihrem Doppelmandat orientiert, waren die Märkte weiterhin besorgt, dass anhaltend hoher Preisdruck die Zentralbank zu einer weiteren Straffung der Geldpolitik zwingen könnte.
Am Mittwoch brachten die Daten eine gewisse Erleichterung. Die Inflation schwächte sich auf breiter Front ab und entsprach weitgehend den Erwartungen. Dies deutet darauf hin, dass sich der Trend trotz des jüngsten Energieschocks weiterhin in die richtige Richtung bewegt. Dadurch konnte sich die Risikobereitschaft im Verlauf der Sitzung stabilisieren.
Die Gesamtinflation von 3,4 % liegt jedoch weiterhin deutlich über dem Zielwert, sodass die Fed wohl noch nicht den Sieg über die Inflation verkünden dürfte. Kevin Warsh hat wiederholt betont, wie wichtig es sei, zu verhindern, dass sich die erhöhte Inflation verfestigt. Dass eine deutliche negative Überraschung bei den Daten ausblieb, erklärt wahrscheinlich, warum die Märkte nicht enthusiastischer reagierten.
Für Gold liegt die entscheidende Bedeutung darin, was die Kombination aus einem schwächeren Arbeitsmarkt und einer nachlassenden Inflation für die Zinsen bedeutet.
Das Edelmetall hat sich von der Marke um 4.000 US-Dollar erholt, da die Märkte zunehmend weniger davon überzeugt sind, dass eine weitere Zinserhöhung der Fed unmittelbar bevorsteht. Die gesunkenen Erwartungen an eine weitere geldpolitische Straffung haben den Druck auf die Renditen von US-Staatsanleihen etwas verringert und damit die Opportunitätskosten für das Halten eines unverzinslichen Vermögenswerts wie Gold gesenkt.
Ein schwächerer US-Dollar verstärkt diesen Effekt, weil Gold für Käufer, die andere Währungen verwenden, dadurch günstiger wird.
Der jüngste CPI-Bericht unterstützt somit die Erholung des Goldpreises, liefert jedoch nicht unbedingt den Auslöser für einen unmittelbaren Ausbruch nach oben. Die Fed hat nun mehr Spielraum, abzuwarten, aber noch keinen überzeugenden Grund, eine deutlich lockerere Haltung einzunehmen.
Sollten die kommenden Inflationsdaten weiter rückläufig sein, während sich der Arbeitsmarkt abschwächt, könnten die Erwartungen an weitere Zinserhöhungen deutlicher zurückgehen. Das würde Gold einen nachhaltigeren Rückenwind verleihen.
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