Schroders | Was bedeutet Stagflation für Aktienanleger?
Duncan Lamont, Head of Strategic Research bei Schroders
Investmentfonds.de - Der Iran-Krieg und der damit einhergehende Energiepreisschock schüren die Sorge vor einer Stagflation. Duncan Lamont zeigt, dass sich Aktien in Zeiten schwachen Wachstums und hoher Inflation häufig besser behaupten konnten, als viele Anleger befürchten.
Mit dem starken Anstieg der Energiepreise wächst erneut die Befürchtung, dass die Weltwirtschaft in eine stagflationäre Phase geraten könnte, also in eine Zeit schwachen Wachstums bei gleichzeitig hoher Inflation. Für den Aktienmarkt ist das im historischen Mittel das ungünstigste Szenario. Panik wäre dennoch fehl am Platz. Unsere Analyse zeigt, dass sich Aktien in stagflationären Phasen häufig solide entwickeln, wenn auch nicht so stark wie in anderen Phasen.
Entscheidend ist zudem, dass die Entwicklung der einzelnen Sektoren in solchen Perioden deutlich auseinanderläuft und die Unterschiede zwischen einzelnen Unternehmen zunehmen dürften. Hinzu kommt, dass die Sektorzusammensetzung den europäischen Aktienmärkten einen Vorteil gegenüber den USA verschaffen könnte. Für viele Anleger wäre dies problematisch, da die USA den globalen Markt dominieren.
Neben dem bekannten Bewertungsargument ist dies ein weiterer Grund, warum wir der Ansicht sind, dass Anleger bei passiven Ansätzen zur Anlage in globale Aktien heute vorsichtig sein sollten.
Warum stellt Stagflation eine Herausforderung dar?
Schwaches Wachstum belastet den Umsatz, weil Unternehmen und Verbraucher ihre Ausgaben einschränken. Hohe Inflation verschärft das Problem. In einer florierenden Konjunktur können Unternehmen gestiegene Kosten an die Verbraucher weitergeben. Bei schwacher Nachfrage gelingt das kaum. Stattdessen geraten die Gewinnmargen unter Druck, was die Ergebnisse weiter belastet.Neben der Schwächung der Fundamentaldaten auf Unternehmensseite ist auch die Fähigkeit der Zentralbanken eingeschränkt, die Nachfrage durch Zinssenkungen anzukurbeln. Bei hoher Inflation wollen sie die Zinsen eher erhöhen, nicht senken. Höhere Zinsen könnten jedoch die Stagnation weiter verschärfen. Bei einer Zinssenkung könnte die Inflation weiter ansteigen. Es gibt keine einfachen Antworten.
Wie entwickeln sich Aktien in stagflationären Phasen?
Für diese Analyse haben wir Stagflation einfach definiert: reales BIP-Wachstum unterhalb des vorangegangenen 10-Jahres-Durchschnitts sowie eine Inflationsrate gemäß Verbraucherpreisindex oberhalb desselben. Dieser Ansatz ermöglicht eine Betrachtung der Marktentwicklung über nahezu 100 Jahre. Auf Sektorebene lässt sich das 1974 zurückverfolgen. Als Maßstab dienen 10-Jahres-Durchschnitte statt fixer Schwellenwerte, weil das Empfinden von niedrigem Wachstum oder hoher Inflation für Anleger nicht konstant ist. Es hängt davon ab, was sie gewohnt sind. Die Definition ist zudem weniger streng als jene, die eine Rezession, also Negativwachstum, voraussetzt.Auf Grundlage von Daten seit 1926 lag die mittlere reale Jahresrendite in einem Stagflationsjahr bei etwa 0 %. Das ist weniger, als Anleger langfristig von Aktien erwarten. Doch in einem Hochinflationsumfeld der Inflation nahezukommen, ist kein schlechtes Ergebnis. In etwa der Hälfte dieser Jahre erzielten Aktien eine positive Realrendite. Wenn diese positiv war, lag sie im Durchschnitt bei rund +16 %. Der Vollständigkeit halber: In Jahren mit negativen Renditen betrug der Durchschnitt –14 %.
Abbildung 1: In rund der Hälfte der Stagflationsphasen entwickeln sich Aktien gut – zwar schwächer als sonst, aber kein Grund, sie zu ignorieren
Quelle: Schroders
Reale US-Aktienrenditen bei Inflation und Wachstum ober-/unterhalb des 10-Jahres-Durchschnitts, Kalenderjahresdaten 1926–2025 (Anzahl der Vorkommnisse in Klammern).
Frühere Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse und können sich nicht wiederholen.
Wird die Entwicklung im Vergleich zu Cash betrachtet, schneiden Aktien besser ab und liegen in der Mehrzahl der Fälle vorn (in 10 der 17 Stagflationsjahre). Dies mag für Aktien eine risikoreichere Zeit als üblich sein, aber es kann auch riskant sein, nur Cash zu halten. Darüber hinaus zeigt eine statistische Analyse der Wertentwicklung von Aktien im Vergleich zu Liquidität in Stagflationsjahren gegenüber der übrigen Zeit, dass es keinen (im statistischen Sinne) signifikanten Unterschied gibt. Mit anderen Worten: Jegliche Abweichung könnte eher auf zufällige Schwankungen als auf einen aussagekräftigen Zusammenhang zurückzuführen sein.
Aus historischer Sicht gibt es keinen Grund anzunehmen, dass Aktien zwingend fallen, auch wenn wir in eine Stagflationsphase eintreten sollten. Die Erwartungen an starke Renditen können gedämpfter sein, aber Untergangsprognosen sind ebenso wenig angebracht.
Entwickeln sich einige Teile des Marktes während einer Stagflation besser als andere?
Defensive Sektoren wie Versorger und Basiskonsumgüter entwickeln sich vergleichsweise positiv, da ihre Nachfrage weniger konjunkturabhängig ist. Energie- und Rohstoffunternehmen tendieren ebenfalls zu einer überdurchschnittlichen Entwicklung, weil hohe Rohstoffpreise häufig selbst Ursache der Inflation in solchen Phasen sind. Dieses Risiko besteht derzeit erneut.Der Gesundheitssektor gilt gemeinhin als defensiv — seine Wertentwicklung schwankt im Durchschnitt weniger stark als die des Gesamtmarkts. Umso bemerkenswerter ist es, dass er in Phasen niedrigen Wachstums und hoher Inflation zwischen 1974 und 2025 enttäuschte.
Sogenannte Sachwerte wie Immobilien können sich ebenfalls behaupten, weisen aber auch eine der breitesten Ergebnisstreuungen auf. Bei Einzelinvestitionen hängt die Entwicklung vom jeweiligen Teilmarkt, der Mietvertragslaufzeit sowie etwaigen Inflationsklauseln, dem Fälligkeitsprofil der Verbindlichkeiten und weiteren Faktoren ab. Immobilieninvestoren müssen die operativen Risiken ihrer Mieter im Blick behalten.
Zyklische Konsumgüter entwickeln sich typischerweise schwächer als Basiskonsumgüter, da Verbraucher zunächst bei nicht lebensnotwendigen Ausgaben sparen.
IT- und Kommunikationsdienste haben historisch einen schweren Stand. Höhere Zinsen mindern den Barwert künftiger Gewinne und treffen wachstumsorientierte Unternehmen mit hohen Kurs-Gewinn-Verhältnissen besonders hart. Anders als früher sind viele der heutigen großen Technologiekonzerne jedoch hochprofitabel und global aufgestellt. Die meisten verfügen trotz gestiegener Verschuldung über solide Bilanzen.
Finanzwerte zählen in der Regel zu den Verlierern in einem solchen Umfeld. Häufig invertieren dabei die Zinskurven, sodass kurzfristige Einlagenzinsen langfristige Kreditzinsen übersteigen und die Ertragskraft der Banken belasten. Derzeit profitiert der Sektor noch von einer steileren Zinskurve, und Erwartungen an eine Deregulierung könnten die Rentabilität zusätzlich stützen. Ernsthafte Wachstumssorgen könnten dies jedoch rasch ändern.
Statistisch ist festzuhalten, dass lediglich der Rohstoff- und der Finanzsektor eine signifikant abweichende Wertentwicklung aufgewiesen haben.
Abbildung 2: Die Sektorentwicklung in Stagflationsphasen ist uneinheitlich
Quelle: Schroders
Reale US-Sektoren-Aktienrenditen bei einer Inflation über und einem Wachstum unter dem 10-Jahres-Durchschnitt, Kalenderjahresdaten 1974–2025.
Welche Märkte sind stärker positioniert?
Bei der Beurteilung der regionalen Märkte ist es wichtig, die historische Analyse durch qualitatives Urteilsvermögen auf Basis des aktuellen wirtschaftlichen und marktbezogenen Umfelds zu ergänzen. Die USA stechen durch ihre hohe Gewichtung im IT-Sektor hervor. Alphabet und Meta sind trotz ihrer formalen Einstufung als Kommunikationsdienstleister de facto Technologieunternehmen. Die US-Gewichtungen in Sektoren, die sich historisch in Stagflationsphasen besser entwickelt haben, summieren sich auf insgesamt nur 15 %.Europa leidet zwar unter seiner hohen Industriegewichtung, und der Kontinent steht unverhohlen im Fadenkreuz der Zollpolitik von Präsident Trump. Gleichwohl dürften Deutschlands Pläne zu einer höheren Kreditaufnahme für Verteidigungs- und Infrastrukturausgaben viele europäische Industrieunternehmen stützen. Das hohe Gewicht von Versorgern sowie das geringe Gewicht von IT und Kommunikationsdiensten wirken in diesem Umfeld begünstigend. Die strukturell höhere Gewichtung von Finanzwerten ist grundsätzlich ein Risikofaktor, doch aktuell befinden sich Finanzwerte in guter Verfassung und profitieren von einer steileren Zinskurve. Ein Sektor, den es im Auge zu behalten gilt.
Auch der britische Aktienmarkt ist eine interessante Option. Seine Gewichtung von 16 % in defensiven Basiskonsumgütern und 10 % in Energie ist mehr als doppelt so hoch wie bei jedem anderen großen Markt. Das Exposure gegenüber IT- und Kommunikationsdiensten ist im Vergleich zu anderen Märkten minimal. Wie Europa ist der britische Aktienmarkt bei Finanzwerten übergewichtet. Obwohl dies nicht ohne Risiken ist, besteht durchaus das Potenzial, dass die als defensiv und wenig dynamisch geltende Natur des britischen Marktes zum Vorteil werden könnte. Hinzu kommt eine im Vergleich günstige Bewertung, was ihm einen vorteilhafteren Ausgangspunkt verschafft.
Japan hingegen leidet unter hohen Gewichtungen in konjunktursensiblen Industriewerten und zyklischen Konsumgütern, die zusammen 44 % des MSCI Japan ausmachen. Eine Übergewichtung in Sektoren, die in Stagflationsphasen besser abschneiden, fehlt. Zwar gibt es positive Entwicklungen im Bereich der Corporate Governance, und die Bewertungen sind vergleichsweise günstig, das globale Umfeld bleibt jedoch herausfordernd.
Abbildung 3: Regionale Marktzusammensetzung
Quelle: Schroders
Frühere Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse und können sich nicht wiederholen.
Was bedeutet das für heute?
Erstens entwickeln sich Aktien in Stagflationsphasen zwar schwächer als in anderen Zeiten; der Unterschied ist jedoch statistisch nicht signifikant. Historisch haben sie Geldmarktanlagen übertroffen und mit der Inflation Schritt gehalten. Die Erwartungen starker Renditen sollten heruntergeschraubt werden; Untergangsprognosen sind jedoch unangebracht. Es gibt immer Gründe zur Sorge, und langfristig orientierte Anleger dürften davon profitieren, investiert zu bleiben.Zweitens hängen gute Ergebnisse in Stagflationsphasen weder von einem vorangegangenen Kurseinbruch noch von Zinssenkungen ab. Das sollte Aktienanlegern heute eine gewisse Beruhigung geben.
Drittens erscheinen die US-amerikanischen und japanischen Märkte im Stagflationsszenario anfälliger. Europa und das Vereinigte Königreich bieten interessantere Perspektiven. Für Anleger, die den globalen Markt passiv abbilden, ist das eine unbequeme Erkenntnis: Der MSCI World ist zu 70 % und der MSCI ACWI zu 62 % in US-Aktien gewichtet. Stagflation könnte den seit 2025 zu beobachtenden Trend zur Marktverbreiterung weiter befördern.
Viertens wird die Streuung der Ergebnisse auf Unternehmensebene im Falle einer Stagflation zunehmen. Bilanzstärke und Preissetzungsmacht werden dabei entscheidend sein. Wenn die Korrelationen zwischen Aktien sinken und die Renditeunterschiede steigen, wächst das Potenzial aktiver Manager, echten Mehrwert zu erzielen.
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Wie ist die Anlagestrategie der Experten aktuell?
Die INVEXTRA.COM AG hat bereits vor Monaten reagiert und die Investmaxx Stop&Go Depots ihrer Kunden in risikoärmere Anlagen umgeschichtet. „Wir beobachten die Märkte aktuell von der Seitenlinie und warten eine mögliche Korrektur ab. Erst wenn sich eine nachhaltige Lösung im Nahostkonflikt abzeichnet, werden wir wieder selektiv in Aktienmärkte einsteigen“, betont Tittes.
Das Unternehmen setzt bei seiner Vermögensverwaltung auf eine Behavioural-Finance-Strategie, die irrationale Verhaltensmuster von Anlegern und politischen Entscheidungsträgern systematisch berücksichtigt und daraus entstehende Preisanomalien gezielt nutzt, , um rechtzeitig auszusteigen aus Aktienmärkten oder später zu günstigeren Kursen wieder einzusteigen. So konnten die Investmaxx Stop&Go Offenisve Depots seit 1996 ein besseres Rendite-Risikoverhältnis erzielen als der Dax.
Diese Mitteilung stellt keine Anlageberatung dar. Eine persönliche und unabhängige Beratung erhalten Anleger ausschließlich im Rahmen einer qualifizierten Finanzberatung.
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