Brandywine Global | Restriktivere Bedingungen könnten den Dollar unter Druck setzen

Restriktivere Bedingungen könnten den Dollar unter Druck setzen
Wenn die Fed eine Pause einlegt oder eine weichere Landung für die Wirtschaft bewerkstelligt, dürfte der Markt seinen Fokus auf andere Faktoren legen. Die Aufmerksamkeit könnte sich dann vom US-Dollar auf andere Währungen verlagern.
Es ist ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren, das den US-Dollar auf hohem Niveau hält. Einer der Haupttreiber hinter der außerordentlichen Stärke und dem langen Aufwärtstrend des Dollars ist das Narrativ des relativen Wachstums, welches die USA aufgrund ihrer Technologieführerschaft und ihres wieder erstarkenden verarbeitenden Gewerbes in einem günstigen Licht zeigt. Ein weiterer Faktor ist die Risikoflucht, die den Status des Dollars als sicheren Hafen stützt. Europa steht hohen Risiken gegenüber, die sich aus dem Krieg zwischen Russland und der Ukraine ergeben. China hat seine eigenen Krisen zu bewältigen, wie die anhaltende Immobilienmarktkrise und die wirtschaftlichen Auswirkungen seiner Null-COVID-Politik. Die USA dagegen müssen gegen kein spezielles Länderrisiko ankämpfen.
Auf der ganzen Welt bewegen sich die realen und die nominalen Zinsen immer weiter auseinander, während die Zentralbanken versuchen, die hohe Inflation unter Kontrolle zu bringen. Wie viel hat der derzeitige Höhenflug des Dollars gegenüber anderen Währungen mit der Inflation zu tun? Auf den ersten Blick sieht es so aus, als verfolge die US-Notenbank einen aggressiveren Zinserhöhungskurs als andere Industrieländer. In den USA ist allerdings auch die Inflation höher als in Teilen dieser Industrieländer. Aus der Perspektive der realen, inflationsbereinigten Zinssätze scheint das derzeitige geldpolitische Umfeld nicht unbedingt geeignet, den Wert des Dollars in die Höhe zu treiben. Und doch wertet der Dollar in diesem Umfeld weiter auf.
Ein Grund dafür könnte sein, dass die realen Zinsen aktuell stark rückwärtsgerichtet sind – die realen Zinsen der letzten Zeit sehen ziemlich niedrig aus. Möglicherweise sind die geldpolitischen Bedingungen jedoch schon sehr viel straffer, als das aktuelle Zinsumfeld nahelegt – darauf deuten die erhebliche Verlangsamung des Geldmengenwachstums und der Einbruch des Gesamtwachstums der Bankeinlagen in diesem Jahr hin. Außerdem hat die Fed mit dem „Quantitative Tightening“ begonnen, was den Straffungsprozess beschleunigen wird. Sicherlich haben die äußerst restriktive Haltung der Fed und ihre Bereitschaft, die Zinsen aggressiv zu erhöhen, die Entwicklung des Dollars in diesem Jahr wesentlich beeinflusst. Betrachten wir jedoch einmal nur die Liquidität des Dollars, sind die geldpolitischen Bedingungen wahrscheinlich schon viel straffer als die Inflation und die realen Zinsen vermuten lassen. Wenn die Fed nun eine Pause einlegt oder sogar auf wundersame Weise eine weichere Landung für die Wirtschaft bewerkstelligt, dürfte der Markt seinen Fokus von den Zinsdifferenzen auf andere Faktoren verlagern. Wenn Faktoren wie Wachstumschancen und Leistungsbilanz- und Zahlungsbilanzpositionen stärker in den Vordergrund rücken, könnte sich die Aufmerksamkeit vom Dollar auf andere Währungen richten, insbesondere auf renditestärkere Schwellenländerwährungen.
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