Schroders | Credit Spreads könnten noch länger eng bleiben – Analyse über 100 Jahre
Duncan Lamont, Head of Strategic Research bei Schroders
Investmentfonds.de - Frankfurt am Main, 29.09.2026 - Eine neue Analyse von Schroders zeigt auf, warum Credit Spreads noch lange auf dem heutigen, sehr engen Niveau bleiben könnten. Duncan Lamont, Head of Strategic Research bei Schroders, hat dafür die Marktgeschichte bis ins Jahr 1919 zurückverfolgt und mit der heutigen Situation verglichen.
Enge Spreads sind kein neues Phänomen
Gemessen an den vergangenen 25 Jahren wirken die aktuellen Risikoaufschläge für Unternehmensanleihen historisch niedrig, auch wenn die Renditen weiterhin auf attraktivem Niveau liegen. Über 100 Jahre betrachtet zeigt sich jedoch: Es gibt historische Präzedenzfälle aus der Zeit zwischen den späten 1940er- und den frühen 1970er-Jahren, in denen Credit Spreads über mehrere Jahrzehnte hinweg enger blieben als auf dem heutigen Niveau. Eine kurzfristige Ausrichtung, die in erster Linie durch die Verfügbarkeit von Daten bestimmt wird, führt dazu, dass viele Anleger dies nicht erkennen. Wer auf den perfekten Zeitpunkt für einen Markteinstieg wartet, sollte dies im Hinterkopf behalten. Duncan Lamont hat in seiner Studie fünf Phänomene näher untersucht, die früher für enge Credit Spreads gesorgt haben.Hohe Staatsverschuldung kann Spreads verengen statt ausweiten
Das heutige Umfeld unterscheidet sich zwar deutlich von der Nachkriegszeit, doch einige der Kräfte, die damals die Spreads niedrig hielten, sind auch heute noch vorhanden. Ein wichtiger Faktor, auf den nur wenige geachtet haben, ist laut der Analyse von Schroders der potenzielle Übertragungsmechanismus von höheren Staatsschulden über eine niedrigere sogenannte „Convenience-Yield“ hin zu engeren Credit Spreads. Die Parallele zu heute ist deutlich. Die US-Staatsverschuldung im Verhältnis zum BIP soll laut Congressional Budget Office von rund 100 Prozent im Jahr 2025 auf 156 Prozent im Jahr 2055 steigen. Hält der Convenience-Yield-Mechanismus, könnte dies eine längere Phase engerer Spreads einläuten, als Anleger es gewohnt sind. Andere Faktoren, wie etwa staatliche Eingriffe in die Geldpolitik, sind eher spekulativ, dürfen aber nicht außer Acht gelassen werden. Das bedeutet nicht, dass die Spreads in Rezessionen oder bei steigendem Ausfallrisiko nicht steigen würden. Es bedeutet jedoch, dass das „natürliche“ Niveau, auf das die Spreads zurückkehren, niedriger sein könnte, als Anleger erwarten.Aktive Anlagestrategen sind im Vorteil
Für Anleger mit langfristiger Perspektive bieten die heutigen Spreads immer noch eine Rendite über die langfristigen Ausfallverluste hinaus – eine geringere Rendite, als Anleger es gewohnt sind, aber dennoch eine positive. Für diejenigen, die beabsichtigen, die Anleihen bis zur Fälligkeit zu halten, gibt es daher weniger Grund, den Kauf von Unternehmensanleihen aufzuschieben. Aktive Anlagestrategien sind im Vorteil, da die aktuellen Spreads kaum zwischen guten und schlechten Kreditnehmern unterscheiden. KI, geopolitische Entwicklungen und andere Belastungsfaktoren werden sich ungleichmäßig auf Unternehmen und Sektoren auswirken. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um selektiver vorzugehen.Für eher taktisch orientierte Anleger erhöhen die sehr engen Spreads das Risiko einer Trendwende. Ausgehend vom heutigen Stand würde bereits ein relativ geringer Anstieg der Spreads ausreichen, damit Unternehmensanleihen eine schlechtere Performance als Staatsanleihen erzielen – ein sehr wichtiger Aspekt, wenn man plant, jetzt zu kaufen und später zu verkaufen. Die Sicherheitsmargen sind hauchdünn.
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