Capital | Ölpreis belastet Risikobereitschaft – Fokus auf Arbeitsmarktdaten
Daniela Hathorn, Senior Finanzmarkt Analystin der Capital.com
Investmentfonds.de - Der jüngste Schlagabtausch zwischen den USA und dem Iran hat den Nahen Osten wieder stark in den Fokus gerückt; die Angriffe erstrecken sich über die Golfregion, und es kommt erneut zu Störungen rund um die Straße von Hormus. Infolgedessen hat der Ölpreis wieder eine gewisse geopolitische Risikoprämie eingepreist, was ein weiteres potenzielles Inflationsrisiko schafft – und das zu einem Zeitpunkt, an dem an den Märkten bereits darüber diskutiert wird, ob die US-Zinsen weiter steigen müssen. Die Aktienmärkte sind bislang von einer ungeordneten Flucht aus Risikoanlagen („Risk-off“) verschont geblieben, doch das Umfeld ist ungemütlicher geworden. Der S&P 500 notiert weiterhin relativ nah an seinen Höchstständen, wenngleich die Dynamik nachgelassen hat, da höhere Energiepreise, gestiegene Renditen und geopolitische Unsicherheiten die Bewertungen unter Druck setzen. Entscheidend ist nun, ob die Anleger die Lage im Nahen Osten weiterhin als beherrschbare Störung der Versorgung betrachten oder beginnen, eine ernstere Bedrohung für Wachstum und Inflation einzupreisen. Ein anhaltender Anstieg der Rohölpreise würde Letzteres kaum noch ignorierbar machen.
Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) sorgt für zusätzliche Unsicherheit. Kevin Warshs Rede in Jackson Hole ließ die Möglichkeit einer Zinserhöhung im September wieder aufleben. Er argumentierte, die Kerninflation habe sich nicht ausreichend verbessert und die Finanzbedingungen seien schwer als restriktiv zu bezeichnen. Die Märkte erhöhten daraufhin die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Erhöhung, wobei die stärkste Reaktion bei kurzlaufenden US-Staatsanleihen zu verzeichnen war. Daher sind die kommenden US-Konjunkturdaten besonders wichtig: Schwächere Arbeitsmarktdaten könnten die Argumente für Geduld untermauern, während eine robuste Beschäftigungslage bei gleichzeitig anhaltend hoher Inflation die Argumente für eine restriktive Geldpolitik zunehmend schwerer zu widerlegen machen würde. Die Anleger haben sich bisher bemerkenswert widerstandsfähig gezeigt, doch diese Widerstandsfähigkeit dürfte auf die Probe gestellt werden, wenn Ölpreise, Renditen und die Erwartungen an eine Straffung der Geldpolitik durch die Fed gleichzeitig steigen.
Am Devisenmarkt hat sich der Yen als eine der stärkeren Währungen behauptet; so ist das Währungspaar USD/JPY von seinem jüngsten Test der Marke von 160 zurückgefallen, während die Märkte die relativen Zinsaussichten neu bewerten. Die Erwartung einer weiteren geldpolitischen Straffung durch die Bank of Japan hat für fundamentale Unterstützung gesorgt, und die anhaltende Gefahr weiterer Interventionen hält Händler zunehmend davon ab, wieder aggressiv auf einen fallenden Yen zu setzen (Short-Positionen aufzubauen). Dennoch bleibt Skepsis bestehen, ob sich daraus eine nachhaltige Erholung entwickeln wird – hierfür müsste sich die Zinsdifferenz zwischen den USA und Japan weiter verringern, anstatt dass dies allein vom Interventionsrisiko abhängt.
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