Franklin Templeton | Microsoft überzeugt, Alphabet strauchelt - ETF-Anleger nutzen den KI-Einbruch zum Kauf
Marcus Weyerer, Director, ETF Investment Strategy, EMEA, bei Franklin Templeton
Investmentfonds.de - Die jüngsten Geschäftszahlen von Microsoft und Alphabet bestärken uns in unserer Einschätzung, dass der KI-Investitionszyklus im Großen und Ganzen intakt bleibt, die Entwicklung von hier aus jedoch wahrscheinlich weniger einheitlich verlaufen wird als im letzten Jahr. Microsoft meldete für Azure ein Wachstum von 48 % im Jahresvergleich gegenüber der Prognose von 45 %, was ein wichtiger Indikator für die Monetarisierung von KI ist und zeigt, dass sich die Investitionen auszahlen können. Das Unternehmen übertraf zudem die Erwartungen sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn. Alphabet’s Google Cloud wuchs im Jahresvergleich um 103 % (gegenüber 82 % im 2. Quartal) und belegt damit ebenfalls die erhebliche kommerzielle Nachfrage nach KI.
Der Investitionsbedarf, um dieses Wachstum aufrechtzuerhalten, bleibt außergewöhnlich hoch. Alphabets Investitionsausgaben dürften von voraussichtlich rund 200 Mrd. US-Dollar in diesem Jahr auf etwa 300 Mrd. US-Dollar im Jahr 2027 steigen. Damit dürfte der freie Cashflow auf absehbare Zeit negativ bleiben und die Geduld der Anleger auf die Probe stellen. In der Folge wird der freie Cashflow auf absehbare Zeit wohl negativ bleiben, was die Geduld der Anleger auf die Probe stellen dürfte. Das Unternehmen meldete zudem ein geringer als erwartetes Ergebnis je Aktie (EPS), da der Wert seines Anlageportfolios Einbußen verzeichnete, was die Aktie nach Börsenschluss um einen zweistelligen Prozentsatz sinken ließ. Microsoft plant für 2026 Investitionsausgaben von 170 Mrd. US-Dollar und damit rund 5 Mrd. US-Dollar weniger als bislang prognostiziert. Dennoch bleibt das Volumen beträchtlich und dürfte weiter steigen. Gleichzeitig geht das Management davon aus, dass der freie Cashflow positiv bleibt. Dies dürfte einige Bedenken am Markt hinsichtlich der Nachhaltigkeit der Investitionsausgaben zerstreuen. Die entscheidende Frage ist längst nicht mehr, ob KI-Investitionen anziehen kann, sondern welche Unternehmen daraus Gewinne erzielen können. Die aktuellen Berichte von Microsoft und Alphabet liefern zunehmend Hinweise darauf, dass sich die Investitionen monetarisieren lassen. Ob dies nachhaltig gelingt, wird sich unserer Einschätzung nach jedoch erst in den kommenden Quartalen zeigen.
Unterdessen deutet unsere eigene Analyse der ETF-Mittelbewegungen darauf hin, dass Anleger die jüngste Marktschwäche zum Kauf genutzt haben, anstatt den KI-Trend aufzugeben. Im August hatten Anleger noch 3,4 Mrd. US-Dollar aus Technologie-ETFs der Industrieländer abgezogen. Gemessen am historischen Verlauf war das ein außergewöhnlich schwacher Monat. Im September kehrte sich die Richtung um: Anleger investierten unter dem Strich 5,3 Mrd. US-Dollar. Das lag allerdings noch etwas unter dem historisch üblichen Niveau. Im bisherigen Oktoberverlauf flossen bereits 15,8 Mrd. US-Dollar zu. Damit liegen die Zuflüsse inzwischen deutlich über ihrem historischen Trend. Sollte sich dieses Bild bis zum Monatsende bestätigen, wäre der Oktober im Verhältnis zum historischen Trend der stärkste Monat des Jahres und würde den April übertreffen. Der Kursrückgang bei Halbleiteraktien zu Beginn des Monats scheint das Interesse der ETF-Anleger am KI-Trend somit kaum gebremst zu haben.
Ein ähnliches Muster zeigt sich in den technologiegeprägten asiatischen Märkten, deren Halbleiterhersteller eng mit den Investitionen der großen Cloudanbieter verbunden sind. Aus Taiwan-ETFs zogen Anleger im August noch 1,7 Mrd. US-Dollar ab. Damit waren die Mittelbewegungen deutlich schwächer als historisch üblich. Im September lagen sie nur noch leicht unter ihrem historischen Trend. Im bisherigen Oktoberverlauf flossen bereits 10,9 Mrd. US-Dollar zu, womit die Mittelbewegungen nun über ihrem historischen Trend liegen. Auch Südkorea verzeichnete eine deutliche Erholung: Auf einen ungewöhnlich schwachen September mit Abflüssen von 2,6 Mrd. US-Dollar folgten im bisherigen Oktoberverlauf Zuflüsse von 5,5 Mrd. US-Dollar. Damit liegen die Mittelbewegungen dort wieder etwa auf dem historisch üblichen Niveau.
Im Gesamtbild haben inzwischen drei der vier Hyperscaler mit überzeugenden Wachstumszahlen im KI-Geschäft aufgewartet. Am Anfang der Wertschöpfungskette hat SK Hynix gerade Rekordzahlen vorgelegt, während der S-1-Registrierungsantrag von Anthropic Hinweise auf rasch wachsende Umsatzpotenziale in nachgelagerten Bereichen liefert.
Mit Blick auf das Jahresende bleiben wir grundsätzlich positiv, sehen jedoch Gründe für eine stärkere Diversifizierung der Portfolios. Die Geldpolitik der US-Notenbank, Unsicherheiten im Vorfeld der US-Wahlen sowie mögliche geopolitische Verwerfungen oder Störungen an den Energiemärkten könnten die Schwankungen verstärken.
US-amerikanische Mega-Caps bleiben unverzichtbare Treiber strukturellen Wachstums. Allerdings dürften künftig nicht mehr alle Unternehmen gleichermaßen von diesem Trend profitieren. Dividenden- und ertragsorientierte Aktienstrategien sowie aktiv gemanagte Ansätze können risikoreichere Engagements ergänzen und dazu beitragen, Konzentrationsrisiken zu steuern, ohne die Investitionsquote zu reduzieren.
Der KI-Anlagetrend ist noch lange nicht vorbei. Im nächsten Kapitel könnte es jedoch ebenso sehr auf eine gezielte Titelauswahl wie auf Überzeugung ankommen.
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