27.01.2006
China und Indien stellen westliche Unternehmen vor eine Geduldsprobe / Neue Studie von Deloitte empfiehlt langfristige Investitionen - Volles Marktpotenzial erst in mehreren Jahrzehnten zu erwarten
München (ots) - Bis China und Indien das Potenzial auf dem Markt
für TMT (Technologie, Medien und Telekommunikation) entwickelt haben,
das viele Technologieunternehmen jetzt schon ausschöpfen möchten,
kann es unter Umständen noch Jahrzehnte dauern. Eine aktuelle Studie
von Deloitte dämpft allzu hohe Erwartungen im Westen.
"Die Chancen in China und Indien werden von den europäischen
Ländern schon seit langem hoch eingeschätzt. Man geht davon aus, dass
diese Märkte in den kommenden Jahren alle anderen in den Schatten
stellen werden", so Frank M. Hülsberg, Partner Technology, Media and
Telecommunications von Deloitte. "Westliche Technologieunternehmen
stehen unter enormem Druck, dieses Potenzial für sich zu nutzen.
Dabei dürfen die Risiken jedoch nicht übersehen werden."
Beide Länder weisen hohe Bevölkerungszahlen und eine wachsende
Mittelschicht auf, deren verfügbares Einkommen stetig ansteigt. In
China wird diese Mittelschicht bis 2010 auf 100 Millionen Menschen
anwachsen und damit die Bevölkerungszahlen des größten europäischen
Landes übertreffen. Indiens gehobener Mittelstand zählt schon jetzt
mindestens 62 Millionen Menschen. Diese Bevölkerungssegmente bilden
potenzielle Märkte für Produkte und Dienstleistungen, die äußerst
ertragreich sein könnten und keinesfalls ignoriert werden dürfen. In
beiden Ländern wird sich das Wirtschaftswachstum jedoch aufgrund
knapper Rohstoffe - von Stahl bis Wasser - und steigender Preise -
von Bau- bis Lohnkosten - nicht im bisherigen Maße fortsetzen. Die
mehr als eine Milliarde zählende Bevölkerung Indiens verteilt sich
auf Hunderttausende von Ansiedlungen, in denen Hunderte von Sprachen
gesprochen werden und deren Infrastruktur größtenteils schlecht
entwickelt ist.
"Der TMT-Markt in China und Indien birgt zweifellos großes
Potenzial, aber er wird nicht explosiv wachsen, sondern langsam und
stetig", so Hülsberg weiter. "Um von diesem Potenzial zu profitieren,
werden Unternehmen langfristig in den Aufbau lokalen Know-hows
investieren müssen. Sie werden lernen müssen, der ungeheuren
Komplexität dieser Länder gerecht zu werden. Und sie werden gezwungen
sein, langfristige, auf angemessene Erwartungen basierende
Perspektiven zu entwickeln."
Kurzfristige Lieferanten, langfristige Märkte
In China und Indien produzieren zu lassen, wird immer mehr zur
wettbewerblichen Notwendigkeit und ist für manche TMT-Unternehmen
schon seit Jahren unumgänglich. Kurzfristig können sie dadurch Kosten
senken und Gewinnspannen erhöhen. Doch es gibt auch langfristige
Vorteile. Wer geschäftlich bereits in den Zukunftsmärkten tätig ist,
sammelt Erfahrung. Dieses Know-how kann im Zuge der Lockerung von
Eigentumsbeschränkungen und dem Anstieg des verfügbaren Einkommens
nutzbringend eingesetzt werden.
"One Size Fits All" - ein gefährlicher Irrtum
Unternehmen der TMT-Branche müssen sich vor Augen führen, dass
China und Indien sehr vielfältige und verschiedenartige Märkte sind.
Obwohl sie häufig in einem Atemzug genannt werden, unterscheiden sie
sich in mehreren grundlegenden Aspekten: Sprache, Kultur, Bildung,
Verbraucherverhalten und Kaufvorlieben.
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Quelle: news aktuell