Janus Henderson Investors | US-VPI: Zinserhöhung wird wahrscheinlicher
John Kerschner, Global Head of Securitised Products, Janus Henderson Investors
Investmentfonds.de - Frankfurt am Main, 14.10.2026) Diese Reaktion auf den aktuell veröffentlichten, weit über den Erwartungen liegenden Verbraucherpreisindex (VPI) erinnert mich an die oft zitierte Lebensweisheit von Mike Tyson: „Jeder hat einen Plan, bis er einen Schlag ins Gesicht bekommt.“ Wir fragen uns, ob es der Fed und insbesondere ihrem Vorsitzenden Warsh im Moment ähnlich geht.
Der Gesamt-VPI lag bei beeindruckenden 0,65 %, womit die Jahresrate von 3,35 % im Vormonat auf 3,72 % stieg. Dies ist der höchste monatliche Kern-VPI-Wert seit Beginn des Iran-Konflikts Anfang März 2026. Auch der genauer unter die Lupe genommene Kern-VPI fiel mit 0,33 % unerwartet hoch aus und stieg damit im Jahresvergleich von 2,45 % im Vormonat auf 2,57 %. Zum Vergleich: Die Marktprognosen für den Kern-VPI lagen etwa bei 0,20 %.
Angesichts der jüngsten zurückhaltenden Äußerungen der Fed-Gouverneure hatten Marktteilnehmer eine Zinserhöhung durch die Fed bei der Sitzung am 28. Oktober bereits so gut wie abgeschrieben. Nach der Veröffentlichung dieser Zahlen kam es jedoch zu einem massiven Ausverkauf am kurzen Ende der Zinskurve – nun liegen die Chancen bei über 50 %. Für die Sitzung am 9. Dezember liegen die Wahrscheinlichkeiten für eine Zinserhöhung praktisch bei 100 %.
Zwei Bereiche sorgen für große Unruhe am Markt: die Kerndienstleistungen ohne Wohnungsbau (auch bekannt als „Super Core“), die nun auf annualisierter Basis für die letzten sechs Monate bei 3,28 % liegen, nachdem sie im Juli einen Tiefstand von 2,47 % erreicht hatten. Zudem lag die OER (Owner’s Equivalent Rent), die zuvor stetig gesunken war, bei 0,34 % und stieg damit im annualisierten 6-Monats-Wert auf 3,74 %. Dies ist der höchste Wert seit August 2025. Diese statistischen Überraschungen werden zweifellos die ungeteilte Aufmerksamkeit der Fed auf sich ziehen.
Es scheint, als hätten die meisten Unternehmen erkannt, dass der Ölpreisanstieg nicht mehr nur vorübergehend ist – insbesondere da die durch die Straße von Hormus fließenden Ölmengen fast so hoch sind wie vor dem Konflikt. Der Markt preist eine „Ölrisikosteuer“ ein, und die Unternehmen wälzen diese zunehmend auf die Verbraucher ab, anstatt sie widerwillig selbst zu tragen.
Die wichtigste Frage, die sich natürlich alle stellen: Werden diese Zahlen die Fed dazu bewegen, die Zinsen im Oktober anzuheben, und dafür sorgen, dass der Markt noch MEHR Zinserhöhungen im Jahr 2027 einpreist? Wir glauben, dass die Fed eine schwierige Aufgabe vor sich hat und dass eine einzige Zinserhöhung – auch wenn sie der Fed vorübergehend Glaubwürdigkeit im Kampf gegen die Inflation verschafft – nicht ausreichen wird, um diesen unruhigen Anleihemarkt zu stabilisieren.
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