ODDO BHF SE | Aktien deuten in Richtung Wachstum, Anleihen in Richtung Vorsicht – wer hat recht?
ODDO BHF SE
- Die Marktbreite nimmt wieder ab
- Hohe Renditen erhöhen die Messlatte für Aktien
- Anleihen und Liquidität sind wieder Alternativen
- Diversifikation wird anspruchsvoller und wichtiger
Investmentfonds.de - Die Hausse an den US-Aktienmärkten, die die Leitindizes in den vergangenen Jahren auf immer neue Höhen getrieben hat, hat an Schwung verloren. Der S&P 500 erreichte zwar Anfang Oktober noch ein Rekordhoch, tritt aber seit August um die Marke von 7.800 Punkten auf der Stelle.
Der Russell 2000, der Index für US-Nebenwerte, erreichte im August ebenfalls Rekordstände. Bis Mitte August lag er mit einem Anstieg von rund 23 Prozent seit Jahresbeginn vor dem S&P 500 und dem Nasdaq. Der Einfluss der „Magnificent Seven“, der sieben führenden Tech-Aktien in den USA, hatte also merklich abgenommen. Das ist die Verbreiterung der Aufwärtsbewegung, die wir im August als Fundament für das zweite Halbjahr bezeichnet hatten. Sie zeigte sich auch bei den Gewinnen: Im zweiten Quartal wuchsen die Gewinne in 10 von 11 Sektoren, und die 493 Nicht-Mag-Seven-Werte im S&P 500 steigerten ihre Gewinne um knapp 23 Prozent.
Unseres Erachtens senden Aktien- und Anleihemärkte dabei nicht zwingend widersprüchliche Signale: Aktien setzen auf robuste Unternehmensgewinne, Anleihen verlangen eine höhere Entschädigung für Inflation, Kapitalbedarf und fiskalische Risiken. Entscheidend ist, wie lange die Gewinne den höheren Kapitalkosten davonlaufen können.
Seitdem ist das Bild jedoch gekippt. Der Wendepunkt war die Rede von Fed-Chef Kevin Warsh am 28. August auf dem Notenbankertreffen in Jackson Hole. Darin warnte er, dass die Fed einer zu hohen Inflation mit Leitzinserhöhungen begegnen werde. Danach ist die eingepreiste Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung deutlich gestiegen. Innerhalb von nur drei Monaten ist die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen (US-Treasuries) von 4,6 Prozent auf derzeit etwa 5,2 Prozent emporgeschnellt.
Dieser scharfe Renditeanstieg hat auch die Aktienmärkte in Mitleidenschaft gezogen. Der Russell 2000 liegt nun rund 8 Prozent unter seinem Rekord, während S&P 500 und Nasdaq nahe ihren Hochs bleiben, getragen vor allem von Halbleitern und KI-Werten. Damit hat die Konzentration am amerikanischen Aktienmarkt wieder zugenommen. Viele Anleger wollen sich offenbar noch nicht von Aktien verabschieden, bevorzugen aber marktgängige Titel, die sie im Zweifelsfall leichter verkaufen können. Zudem scheinen Mega-Caps mit dem Renditeanstieg besser zurechtzukommen als Nebenwerte: Sie verfügen oft über eine hohe Nettoliquidität und haben sich in der Niedrigzinsphase langfristig finanziert. Bei kleineren US-Unternehmen dagegen ist ein großer Teil der Schulden variabel verzinst.
Der Renditeanstieg hat allerdings tiefere Ursachen als die Geldpolitik allein. Höhere Energiepreise verstärken den Inflationsdruck, gleichzeitig wächst der Kapitalbedarf erheblich. Staaten finanzieren hohe Defizite, während Unternehmen Milliarden in KI, Rechenzentren und Infrastruktur investieren. Öffentliche und private Schuldner konkurrieren damit stärker um Kapital. Die Konsequenz ist strukturell bedeutsam: Kapital hat wieder einen Preis.
Was bedeuten hohe Renditen und gleichzeitig vermeintlich robuste Aktienmärkte für Aktien, Renten und Liquidität? Wie lange kann ein starkes Gewinnwachstum der Unternehmen den Gegenwind höherer Diskontsätze kompensieren? Die Antwort überrascht: Diese Kompensation findet längst statt. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des S&P 500 auf Basis der Gewinnschätzungen für die kommenden zwölf Monate liegt laut FactSet (Stand 9. Oktober) bei 19,1. Es entspricht damit dem Zehnjahresdurchschnitt und liegt unter dem Fünfjahresdurchschnitt von 19,8. Vor einem Jahr sah das anders aus: Ende Oktober 2025 lag dieses KGV bei 23,1, dem höchsten Wert seit mehr als fünf Jahren.
Seither ist der S&P 500 um rund 13 Prozent gestiegen, die erwarteten Gewinne je Aktie jedoch um rund 37 Prozent. Der Index steht also auf Rekordniveau, obwohl die Bewertung gesunken ist. Der Gegenwind aus dem Diskontsatz wurde vom Gewinnwachstum mehr als ausgeglichen. „Aktien auf Rekordhoch“ bedeutet somit unserer Auffassung nach nicht, dass Aktien teuer geworden sind. Allerdings liegt die Gewinnrendite, der Kehrwert des KGV, bei einem KGV von 19,1 rechnerisch bei 5,2 Prozent und damit fast genau auf der Höhe der Rendite zehnjähriger Treasuries. Die einfache Differenz zwischen Gewinnrendite und zehnjähriger Treasury-Rendite ist damit nahezu verschwunden. Dieser Vergleich erfordert zwei Einschränkungen: Erstens hat sich die Risikoprämie historisch nicht als verlässliches Timing-Signal erwiesen. Zweitens wird die Gewinnrendite hier einer nominalen Anleiherendite gegenübergestellt. Unternehmensgewinne wachsen jedoch tendenziell mit der Inflation, Kupons nicht. Das dürfte kein Verkaufssignal für Aktien sein. Es zeigt aber, dass Anleger heute deutlich weniger über die Bewertung und deutlich stärker über künftiges Gewinnwachstum entlohnt werden müssen.
Der Bewertungspuffer ist damit deutlich kleiner geworden. Für weitere Kursgewinne kommt es nun stärker darauf an, dass die Unternehmen ihre hohen Gewinnerwartungen tatsächlich erfüllen. Das spricht nicht dafür, Aktien grundsätzlich zu meiden. Es spricht aber für mehr Selektivität.
Für das vierte Quartal erwarten die Analysten laut FactSet ein Gewinnwachstum von 27,6 Prozent und für das Gesamtjahr 2026 einen Anstieg von 32,4 Prozent. Das Gewinnwachstum bietet damit noch einen hohen Puffer gegen steigende Zinsen. Aber er schrumpft. Die Risiken für Aktien nehmen deshalb zu, vor allem, wenn die Gewinnschätzungen gesenkt werden, während die Renditen weiter steigen, der Ölpreis die Wirtschaft stärker belastet oder sich die Kreditspreads ausweiten, was bisher nicht der Fall ist. Liquidität scheint damit wieder eine echte Anlageklasse mit realer, positiver Rendite und ohne Kursrisiko zu sein. Zweijährige Treasuries rentieren bei 4,8 Prozent. Der Markt erwartet, dass die Fed im Oktober pausiert und im Dezember die Leitzinsen möglicherweise um 25 Basispunkte anhebt.
Bei Aktien sind wir vorsichtiger geworden, vor allem, weil der Bewertungspuffer fehlt. Wir legen den Fokus auf Gewinnqualität: Unternehmen mit Preissetzungsmacht, solider Bilanz und geringem Finanzierungsbedarf. KI-Profiteure kommen für uns infrage, wenn ihre Gewinne real sind und nicht nur erwartet werden.
Bei Anleihen, vor allem in den USA, sind die Einstiegsrenditen so hoch wie seit mehr als zwei Jahrzehnten nicht mehr. Das schafft einen Puffer. Wir bevorzugen den mittleren Laufzeitenbereich, bei Unternehmensanleihen solide Schuldner und bei den großen Cloud- und KI-Konzernen, den Hyperscalern, kürzere Laufzeiten, weil das hohe Emissionsangebot vor allem das lange Ende belastet.
Für Anleger dürfte daraus keine Flucht aus Risikoanlagen folgen, sondern eine höhere Messlatte für jede einzelne Anlageentscheidung. Aktien müssen ihre Bewertung durch Gewinne rechtfertigen, Anleihen bieten unserer Meinung nach wieder attraktive laufende Erträge, und Liquidität verschafft Flexibilität. Diversifikation bedeutet in diesem Umfeld deshalb mehr als die klassische Aufteilung zwischen Aktien und Renten.
Insgesamt halten wir eine kluge Diversifikation für das Gebot der Stunde. Denn in einem Umfeld erhöhter Inflation bewegen sich Aktien und Anleihen häufig in dieselbe Richtung. Anleihen schützen dann nicht mehr zuverlässig vor Aktienrückschlägen. Deshalb beziehen wir unter Berücksichtigung der damit einhergehenden Risiken auch Gold, Realwerte und Liquidität ein.
- Ende der Nachricht
Die Aussagen einer bestimmten Person geben deren persönliche Einschätzung wieder (ODDO BHF SE) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und stellen keine Beratung dar (ODDO BHF SE)
***
Hinweis:
Diese Nachricht stellt keine Anlageberatung dar. Eine persönliche und unabhängige Beratung erhalten Anleger ausschließlich im Rahmen einer qualifizierten Anlageberatung durch unsere Experten.
Wie funktioniert die "Investmaxx Anlageberatung"?
Das grösste Risiko bei der Geldanlage von Privatanlegern ist es, in drastisch überteuerte Investmentanlagen zu investieren, für die man später weniger Geld herausbekommt, als man selbst investiert hat. Nicht nur für Unternehmen, sondern auch für Privatanleger gilt daher ein Erfolgsprinzip: Im Einkauf liegt der Erfolg, doch genau hier scheitern viele Anleger und steigen bei euphorischen Märkten zu teuer ein und verkaufen ihre Anlagen in Paniksituationen zu billig.
Die eigene "Psychologie von Gier und Angst" macht damit über 95% der Anleger oft einen Strich durch die Rendite der eigenen Geldanlage.
Das zweitgrösste Risiko für die eigene Geldanlage ist damit der Privatanleger selbst. Die INVEXTRA.COM AG setzt deswegen bei der Anlageberatung auf eine Behavioural-Finance-Strategie, die irrationale Verhaltensmuster von Anlegern und politischen Entscheidungsträgern systematisch berücksichtigt und daraus entstehende Preisanomalien gezielt nutzt, um aus überteuerten Sektoren auszusteigen und in günstiger bewertete Sektoren umzuschichten. Das Konzept wurde an der University of Michigan Business School (USA) von unserem Gründer, Dipl.-Kfm. Raimund Tittes, entwickelt und erfolgreich 1996 in die Praxis umgesetzt. So konnten die Investmaxx Stop&Go Offenisve Depots seit 1996 ein besseres Rendite-Risikoverhältnis erzielen als der Dax.
>>> Unsere Experten entwickeln individuelle, global diversifizierte Portfolios, die in wachstumsstarke Sektoren investieren und darauf ausgerichtet sind, Vermögen langfristig aufzubauen, durch Risikomanagement die Stabilität und den Erhalt von Vermögen zu gewährleisten und vor Inflation zu schützen. >>> Mehr Infos dazu.
***
INVESTMENTFONDS.DE
TOP Fonds / ETF Vergleich - Wertentwicklung
INVESTMENTFONDS.DE Hinweise in eigener Sache:
*** - Anzeige - Newsletter | Aktuell | Kostenlos
Jetzt kostenlos den wöchentlichen Newsletter mit den aktuellsten Markteinschätzungen und Marktanalysen erhalten!
Interesse auf den Blick in die Zukunft der nächsten Börsenriesen?
Hier einfach mit Email registrieren! Jederzeit kündbar.
- Ende Anzeige -
***
Disclaimer: Diese Meldung ist keine Empfehlung zu einer Fondsanlage und keine individuelle Anlageberatung. Vor jeder Geldanlage in Fonds sollte man sich über Chancen und Risiken beraten und aufklären lassen. Der Wert von Anlagen sowie die mit ihnen erzielten Erträge können sowohl sinken als auch steigen. Unter Umständen erhalten Sie Ihren Anlagebetrag nicht in voller Höhe zurück. Die in diesem Kommentar enthaltenen Informationen stellen weder eine Anlageempfehlung noch ein Angebot oder eine Aufforderung zum Handel mit Anteilen an Wertpapieren oder Finanzinstrumenten dar.
Risikohinweis: Die Ergebnisse der Vergangenheit sind keine Garantie für künftige Ergebnisse. Die Aussagen einer bestimmten Person geben deren persönliche Einschätzung wieder. Die zur Verfügung gestellten Informationen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und stellen keine Beratung dar.
News zum Thema
Weitere News auswählen
Investmaxx Stop&Go Anlageberatung
Profitieren auch Sie von unserer Erfahrung seit 1996 in der Anlageberatung.