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Capital | Europa nutzt die Bedenken gegenüber künstlicher Intelligenz aus
Daniela Hathorn, Senior Finanzmarkt Analystin der Capital.com
Investmentfonds.de - Die globalen Aktienmärkte beenden eine schwierige Woche auf etwas stabilerem Niveau. Interessant waren jedoch die Unterschiede zwischen den Regionen. US-amerikanische und asiatische Aktien haben den größten Teil der Kursverluste getragen, nachdem höher als erwartet ausgefallene US-Verbraucherpreise (CPI) die Renditen von US-Staatsanleihen nach oben getrieben und die Sorgen über die Finanzierung des KI-Booms erneut verstärkt hatten. Besonders anfällig zeigte sich der Nasdaq, da Anleger zunehmend infrage stellen, ob die künftigen Erträge aus künstlicher Intelligenz sowohl die hohen Bewertungen als auch die immer teureren Finanzierungskosten rechtfertigen können. CoreWeave rückte dabei in den Mittelpunkt dieser Bedenken, nachdem die Renditen einiger seiner Anleihen in einen kritischen Bereich gestiegen waren, der auf eine erhebliche finanzielle Belastung hindeutet. Dies löste eine umfassendere Neubewertung hoch verschuldeter Unternehmen im Bereich der KI-Infrastruktur aus.
Europa war der bemerkenswerte Gewinner. Ein Teil dieser Entwicklung ist auf einen Faktor zurückzuführen, der zuvor als eine der Schwächen der Region galt: Europas vergleichsweise geringes Engagement im KI-Anlagetrend. Europäische Aktienindizes weisen höhere Gewichtungen in den Bereichen Gesundheitswesen, Finanzdienstleistungen, Industrie sowie anderen Value- und defensiven Sektoren auf. Dadurch sind sie weniger stark von der abrupten Neubewertung langfristig orientierter Technologiewerte betroffen. Auch die niedrigeren Bewertungen boten einen gewissen Schutz vor dem Anstieg der globalen Anleiherenditen. Das bedeutet nicht, dass Europas strukturelle Herausforderungen in Bezug auf Wachstum, Haushaltsbelastungen und Politik verschwunden wären. Die Entwicklung dieser Woche hat jedoch gezeigt, wie wertvoll Diversifizierung sein kann, wenn der stark konzentrierte US-Technologiesektor unter Druck gerät.
Gegen Ende der Woche gab es eine gewisse Entspannung für den KI-Anlagetrend, nachdem Jensen Huang, CEO von Nvidia, den Bedenken rund um CoreWeave entgegengetreten war. Er argumentierte, dass sich die finanzielle Lage des Unternehmens verbessere und Nvidia keine zusätzlichen finanziellen Garantien bereitstellen müsse. CoreWeave erholte sich daraufhin von seinen Tiefstständen, und asiatische Technologieaktien legten am Freitag wieder zu. Dies trug dazu bei, einige der unmittelbaren Befürchtungen zu zerstreuen. Die größere Frage, die sich der Markt zunehmend stellt, ist damit jedoch nicht vollständig beantwortet: Wie nachhaltig ist ein KI-Infrastrukturboom, der immer stärker auf umfangreiche Fremdfinanzierung angewiesen ist, wenn der risikofreie Zinssatz über 5 % liegt?
Huangs Äußerungen mögen das Gefühl einer unmittelbar drohenden Krise abgeschwächt haben. Die bevorstehenden Quartalszahlen der großen Technologiekonzerne müssen jedoch weiterhin zeigen, dass sich die enormen Investitionen in künstliche Intelligenz in ausreichend hohe Umsätze und Cashflows verwandeln, um die damit verbundenen Kosten zu rechtfertigen.
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