Capital | Höhere Ölpreise dämpfen die Kauflaune
Daniela Hathorn, Senior Finanzmarkt Analystin der Capital.com
Investmentfonds.de - Die Märkte bleiben defensiv, da die jüngste Eskalation im Nahen Osten den Brent-Ölpreis an die Marke von 100 US-Dollar je Barrel heranführt. US-Streitkräfte haben nach versuchten Angriffen auf US-Marineschiffe iranische Öltanker angegriffen, woraufhin der Iran mit einem Angriff auf einen von den USA genutzten Stützpunkt in Jordanien reagierte. Teheran erklärte zudem, Schiffe ins Visier genommen zu haben, die versuchten, die Straße von Hormus zu passieren. Die Angriffe der Huthi auf saudische Energieanlagen haben die Bedrohungslage weiter verschärft. Damit wächst die Sorge, dass sich die Störungen nicht nur auf die iranischen Öllieferungen, sondern auch auf die Infrastruktur und alternativen Transportrouten ausweiten könnten, die bislang dazu beigetragen haben, den Ölfluss aus der Golfregion aufrechtzuerhalten.
Damit rücken die inflationären Folgen des Konflikts wieder deutlich in den Fokus. Die Wall Street gab am Dienstag nach, da der Anstieg der Rohölpreise die Befürchtung verstärkte, dass der Energieschock den Rückgang der Inflation ausbremsen und die Zentralbanken dazu zwingen könnte, an ihrer restriktiven Geldpolitik festzuhalten. Die Erwartungen an die US-Zinspolitik haben sich entsprechend verschoben. Die anstehenden Inflationsdaten werden daher besonders wichtig sein, um zu beurteilen, ob ein Ölpreis von 100 US-Dollar beginnt, die geldpolitischen Aussichten der US-Notenbank Fed spürbar zu beeinflussen.
Für Europa steht bereits am Donnerstag eine noch unmittelbarere geldpolitische Bewährungsprobe an, wenn die EZB zu ihrer Sitzung zusammenkommt. Die Märkte sind weitgehend auf eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte eingestellt, nachdem die EZB im Juli ausdrücklich gewarnt hatte, dass sich die vollständigen inflationären Auswirkungen des Energieschocks noch nicht gezeigt hätten. Der jüngste Anstieg der Öl- und europäischen Gaspreise macht diese Sorge nun schwerer von der Hand zu weisen. Im Fokus wird daher stehen, welche Hinweise Christine Lagarde dazu gibt, ob dieser Zinsschritt als ausreichende Absicherung gegen den Energieschock betrachtet werden kann oder ob weitere Straffungen der Geldpolitik wahrscheinlich bleiben.
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