T. Rowe Price | Wie nervös sind die Aktienmärkte?
Michael Walsh, Portfoliomanager Multi-Asset-Division bei T. Rowe Price
Investmentfonds.de - Es ist wichtig, das Ausmaß der jüngsten Volatilität nicht zu überbewerten. Zwar hatten bestimmte Sektoren und Märkte einen schwierigen Monat, doch sind die weltweiten Aktien (gemessen am MSCI AC World Index zum Handelsschluss am 20. Oktober) im Oktober bislang nur um -0,3 % gefallen. Die Aktienmärkte in den USA, Deutschland, Großbritannien und Australien verzeichnen im bisherigen Monatsverlauf ein Plus. Der Volatilitätsindex (VIX) liegt zum 20. Oktober bei rund 17 und damit unter seinem Durchschnittsniveau der letzten fünf Jahre. Auch die Anleihemärkte haben sich nach den starken Renditeanstiegen im September etwas stabilisiert. Aus einer etwas längerfristigen Perspektive betrachtet, verzeichnen globale Aktien im Jahr 2026 bislang einen Anstieg von 13 % und scheinen auf das vierte starke Kalenderjahr in Folge zuzusteuern. Die ersten Anzeichen aus der Berichtssaison für das dritte Quartal sind gut. Es scheint, als seien die Auswirkungen der Energiepreissteigerungen und der jüngsten geldpolitischen Straffung für die meisten Unternehmen verkraftbar. Auch wenn die Stimmung wahrscheinlich weiterhin schwankend bleiben wird, sehen wir die taktischen Aussichten für die Aktienmärkte von hier aus weiterhin positiv. Mit Blick auf das nächste Jahr erwarten wir jedoch, dass sich die risikobereinigten Renditen abschwächen werden und sich die Faktoren, die die Marktperformance bestimmen, angesichts einer nachlassenden Wachstumsdynamik weiter verschieben könnten.
Wird sich der KI-Trend halten?
Die Fundamentaldaten wirken unterstützend, doch der Trend entwickelt sich weiter. Von Investitionen in KI profitieren mittlerweile Unternehmen weit über die traditionellen US-Large-Cap-Wachstumswerte hinaus, darunter Infrastrukturunternehmen aus Schwellenländern und einige Value-Aktien in Sektoren wie Versorger und Rohstoffe. Das Gewinnwachstum bei KI-getriebenen Aktien war außergewöhnlich stark, wodurch sich die Bewertungslücke zum breiteren Aktienmarkt verringert hat. Wir gehen davon aus, dass sich dieser Effekt nur allmählich abschwächen wird, und bleiben bei unserer Übergewichtung von US-Wachstumsunternehmen sowie anderen Nutznießern wie Aktien aus Schwellenländern und japanischen Aktien. Wir sind uns jedoch bewusst, dass weiterhin Fragen hinsichtlich der Amortisation der KI-Investitionen bestehen, wobei hohe Erwartungen weniger Spielraum für Fehler lassen. Der Zyklus tritt in eine kapitalintensivere Phase ein, die über die durch die Bilanzen der Hyperscaler getriebene Finanzierung hinausgeht. KI-bezogene Anleihen machen mittlerweile etwa 8 % des US-Investment-Grade-Unternehmens-Benchmarks aus, gegenüber 5 % Ende 2025. Dies sieht eher nach einer Ausweitung und Reifung des KI-Themas aus als nach einer Abschwächung, auch wenn die Kapitalkosten und die sichtbare Kapitalrendite ab 2027 zunehmend an Bedeutung gewinnen werden.Starker Markteinbruch nicht das zentrale Szenario
Wir gehen weiterhin davon aus, dass ein starker Markteinbruch nicht das zentrale Szenario ist, und behalten eine taktische „Risk-on“-Position in den Portfolios bei. Unser Basisszenario sieht vor, dass sich das jüngste starke Wirtschaftswachstum eher abflacht als einbricht, was sich in einer moderaten Übergewichtung von Aktien widerspiegelt. Die größten Risiken für unsere Einschätzung hängen mit dem jüngsten Wiederanstieg der Inflation zusammen. Konfliktbedingte Energiepreise, anhaltende Kostensteigerungen und höhere Zinsen stellen kurzfristig ein größeres Risiko dar als eine Abschwächung im KI-Bereich. Der Ausblick auf die Geldpolitik der großen Zentralbanken ist entscheidend. Einige wenige Zinserhöhungen bei gleichzeitig robustem Wirtschaftswachstum könnten von den Märkten relativ gut verkraftet werden, doch ein längerer, von hartnäckiger Inflation getriebener Zyklus würde sowohl die Duration als auch Risikoanlagen vor Herausforderungen stellen – wie beispielsweise im Jahr 2022 zu beobachten war. Die Bewertungen haben sich verbessert, bleiben aber im historischen Vergleich hoch. Die Fundamentaldaten von Large-Cap-Unternehmen sind sehr stark, lassen jedoch wenig Spielraum für Enttäuschungen. Anleger sollten einen Einbruch kurzfristig als mögliches Extremszenario betrachten und auf Diversifizierung und Widerstandsfähigkeit in ihren Portfolios achten.Die Warnsignale sind vor allem hohe Bewertungen, eine erhöhte Inflation und steigende Finanzierungskosten. Die Bewertungen sind zwar gesunken, bleiben aber im historischen Vergleich weiterhin optimistisch. Die Gewinnerwartungen sind hoch, und nach einem Rekordjahr 2026 wird es im nächsten Jahr noch schwieriger werden. Dies lässt selbst bei starken Fundamentaldaten weniger Spielraum für Enttäuschungen. Die Inflation ist das zentrale makroökonomische Risiko: Konfliktbedingte, volatile Energiepreise könnten den Preisdruck auf hohem Niveau halten und weitere geldpolitische Reaktionen erzwingen. Ein längerer Zinserhöhungszyklus, angetrieben durch hartnäckige Inflation, würde sowohl Durations- als auch Risikoanlagen vor Herausforderungen stellen. Generell rechnen wir bis zum Ende des Jahrzehnts weiterhin mit einem erhöhten Druck auf die Renditen von Staatsanleihen, da die fiskalischen und demografischen Belastungen in vielen großen Volkswirtschaften ungelöst bleiben. Das Thema KI birgt seine eigenen Schwachstellen. Es bestehen weiterhin Fragen hinsichtlich der Höhe und des Zeitpunkts der Renditen aus den hohen Investitionsausgaben sowie danach, wie die zur Finanzierung des Ausbaus erforderlichen hohen Kreditaufnahmen finanziert werden sollen. Die Märkte blicken zwar optimistischer auf die Aussichten für den globalen Handel und die geopolitischen Beziehungen, doch diese Bereiche bleiben anfällig für plötzliche negative Entwicklungen. Ein Einbruch würde höchstwahrscheinlich das gleichzeitige Eintreten mehrerer dieser Faktoren erfordern, was die Anlegerstimmung aus mehreren Richtungen gleichzeitig unter Druck setzen würde.
In Europa untergewichtet
Anleger sollten sich auf einen Markt einstellen, der von einer Vielzahl von Faktoren bestimmt wird – Inflation, Zinsentscheidungen, Unternehmensgewinne, geopolitische Ereignisse und die Auswirkungen von Wahlen in mehreren wichtigen Ländern. Der Kurs der Geldpolitik und die Frage, ob die politischen Entscheidungsträger den Preisdruck als breit angelegt und anhaltend einschätzen, werden einen großen Einfluss auf die Stimmung haben. Auch die Energiepreise spielen eine Rolle, insbesondere für energieimportierende Volkswirtschaften und für die Inflation außerhalb der USA. Regionale Unterschiede sind wahrscheinlich. Unter den Aktienmärkten bevorzugen wir die USA, Großbritannien, Japan und die Schwellenländer und sind in Europa (ohne Großbritannien) sowie in Australien untergewichtet.Zudem sind wir bei Small-Cap-Unternehmen in den USA übergewichtet, sehen jedoch die Auswirkungen höherer Zinsen auf kleinere, stärker verschuldete Unternehmen mit Vorsicht. Zu den konkreten Ereignissen, die es zu beobachten gilt, zählen die US-Zwischenwahlen, der britische Haushaltsplan, die Wahlen in Spanien, die fiskalischen und politischen Entwicklungen in Frankreich sowie jegliche Anzeichen für eine Konfliktlösung im Nahen Osten und in der Ukraine. Bei Anleihen finden wir die höheren Renditen, die hochwertige Staatsanleihen in wichtigen Märkten wie den USA, Deutschland und Japan bieten, zunehmend attraktiv. Auf dem aktuellen Niveau bieten diese ein zunehmendes Polster für den Fall, dass sich die Stimmung gegenüber risikoreichen Anlagen zum Jahreswechsel deutlich verschlechtern sollte. Insgesamt sollten Anleger auf Diversifizierung setzen, angesichts des Ausmaßes der Marktrotationen im Jahr 2026 bis heute eine übermäßige Konzentration nach Sektoren und Regionen vermeiden und sich eine gewisse Flexibilität bewahren, um auf sich ändernde Bedingungen reagieren zu können.
Ausblick: Weiteres Aufwärtspotenzial
Mehrere Faktoren sprechen für weiteres Aufwärtspotenzial bei Aktien. Das Wirtschaftswachstum und die Unternehmensgewinne zeigen sich widerstandsfähig, und die Investitionsausgaben sowie die Nachfrage bleiben stabil. Globale Konjunkturumfragen wie die Einkaufsmanagerindizes (PMIs) deuten auf eine anhaltende wirtschaftliche Expansion in weiten Teilen der Welt hin. Die Arbeitslosigkeit verharrt in wichtigen Volkswirtschaften wie den USA, der Eurozone und Großbritannien nahe ihren Mehrjahrestiefs. Die finanziellen Rahmenbedingungen sind nach wie vor akkommodierend, sodass auch bei steigenden Leitzinsen Kredite verfügbar sind. Investitionen in KI-Unternehmen erzielen Renditen, die deutlich über denen von US-Large-Cap-Wachstumsaktien liegen. Die Gewinnstärke breitet sich aus, auch bei Small-Caps, wo faire Bewertungen und die Aktivität an den Kapitalmärkten unterstützend wirken. Die Fiskalpolitik bleibt im Allgemeinen expansiv, insbesondere in Volkswirtschaften wie Deutschland und Japan. Trotz leicht steigender Spreads bei Unternehmensanleihen gibt es kaum anhaltende Anzeichen für eine angespannte Lage an den Rentenmärkten. Das starke Gewinnwachstum hat die Kursgewinne übertroffen, wodurch die Kurs-Gewinn-Verhältnisse auf attraktiveren Niveaus liegen. Unsere Übergewichtung in Aktien, die aus Barmitteln und einer Untergewichtung bei Anleihen finanziert wird, spiegelt die Einschätzung wider, dass diese Entwicklung noch anhalten wird, sofern die Inflation insbesondere die Federal Reserve nicht zu einem längeren Straffungszyklus zwingt.- Ende der Nachricht
Die Aussagen einer bestimmten Person geben deren persönliche Einschätzung wieder (T. Rowe Price) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und stellen keine Beratung dar (T. Rowe Price)
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