Mediolanum | Aktien-Ausblick: Qualitäts- und KI-Titel vielversprechend, Vorsicht bei Konsum
Giles Worthington, Deputy Head of Equity Investment bei Mediolanum International Funds
Investmentfonds.de - Dublin, 22. Oktober 2026. - Die Aktienmärkte zeigen sich trotz hoher Zinsen und geopolitischer Unsicherheiten robust. Während KI- und Qualitätsunternehmen weiterhin Chancen bieten, geraten Konsumtitel zunehmend unter Druck.
Die globalen Aktienmärkte haben trotz zunehmend schwieriger Rahmenbedingungen weiter zugelegt und starten mit Kursgewinnen in das letzte Quartal des Jahres. Die Unternehmensgewinne haben sich bislang robust gezeigt. Doch nun dürfte es weniger um die Gewinne gehen als vielmehr um drei entscheidende Faktoren: die Finanzierungskosten, den Ölpreis und den Preis des Friedens.
Vor allem die steigenden Finanzierungskosten könnten die Aktienmärkte zunehmend belasten. Angesichts hoher Haushaltsdefizite und zögernder Zentralbanken, die sich wegen der hartnäckig hohen Inflation mit Zinssenkungen schwertun, verlangen Anleiheinvestoren höhere Renditen für die Finanzierung staatlicher Schulden. Die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen liegt aktuell über 5 Prozent, und weltweit zahlen Staaten für ihre Verschuldung mittlerweile im Durchschnitt über 4 Prozent. Das setzt auch die Bewertungen am Aktienmarkt unter Druck, denn Anleihen machen Aktien Konkurrenz.
Künstliche Intelligenz saugt Kapital auf
Beim Ausbau der KI-Infrastruktur spielt die Finanzierung mittlerweile eine ebenso große Rolle wie die Technologie selbst. Große Cloud-Anbieter und Rechenzentrumsentwickler nehmen in erheblichem Umfang Fremdkapital auf, um Chips, Stromversorgung und Immobilien zu finanzieren. Die dafür ausgegebenen Anleihen konkurrieren mit Staatsanleihen um das Kapital der Anleger. Das trägt dazu bei, dass die langfristigen Anleiherenditen bislang nur langsam zurückgegangen sind.Wir bleiben für die führenden KI-Unternehmen zuversichtlich, weil sie bereits entsprechende Gewinne erzielen. Vorsichtiger sind wir hingegen bei den stark fremdfinanzierten Bereichen des KI-Ausbaus, in denen die hohen Finanzierungskosten besonders stark ins Gewicht fallen. US-Unternehmer und Diplomat Joseph Kennedy soll seine Aktien vor dem Börsencrash von 1929 verkauft haben, nachdem ihm ein junger Schuhputzer Aktientipps gegeben hatte. So weit sind wir noch nicht. Doch wenn plötzlich jeder eine Meinung zu Grafikprozessoren hat, lohnt es sich, neben den Wachstumsaussichten auch einen genauen Blick auf die Bilanz der Unternehmen zu werfen.
Konsum leidet unter geopolitischen Krisen
Auch bei Konsumtiteln ist Vorsicht geboten. Geopolitische Entwicklungen belasten insbesondere über steigende Ölpreise die Kaufkraft privater Haushalte und können damit die Aussichten für Unternehmen im Konsumsektor eintrüben. Steigende Kraftstoff- und Energiekosten wirken wie eine zusätzliche Steuer für Verbraucher und schmälern ihren finanziellen Spielraum für Konsumausgaben, die über den täglichen Bedarf hinausgehen. Gleichzeitig machen sich zunehmend auch höhere Hypothekenzinsen und Kreditkosten bemerkbar. Aktien aus dem Konsumsektor, die dem Gesamtmarkt ohnehin schon hinterherhinken, brauchen deshalb bei den Energie- und Finanzierungskosten Entlastung, um wieder aufholen zu können.Irankonflikt hält Ölpreis noch länger hoch
Doch wie könnte es mit dem Ölpreis weitergehen? Wer für das Ende des Irankonflikts ein konkretes Datum nennt, sollte mit derselben Skepsis betrachtet werden wie der Schuhputzer aus der Kennedy-Anekdote. Die Erfahrung zeigt, dass die Märkte zunächst schnell das schlimmste Szenario einpreisen und sich anschließend an die veränderte Lage anpassen. Geopolitische Schocks hinterlassen an den Aktienmärkten nur selten dauerhafte Spuren – es sei denn, sie führen zu anhaltenden Störungen bei der Ölversorgung.Unser Basisszenario ist daher keine schnelle und eindeutige Lösung des Konflikts, sondern eine schrittweise Deeskalation, die auch von Rückschlägen geprägt sein wird. Dabei dürfte der geopolitisch bedingte Risikoaufschlag auf den Ölpreis im Laufe der Zeit zurückgehen, bei entsprechenden Nachrichten jedoch immer wieder vorübergehend ansteigen.
Bevorzugt: Qualitätsunternehmen, Europa und Schwellenländer
Aus diesem Grund bevorzugen wir Qualitätsunternehmen mit soliden Bilanzen und Preissetzungsmacht. Diese sind nicht auf günstige Kredite angewiesen, falls die Finanzierungskosten steigen sollten. Interessant könnten auch Europa und die Schwellenländer sein, denn sie könnten einen Teil des Rückstands gegenüber den USA aufholen. US-Aktien gewichten wir dagegen neutral, da der Markt schon überfüllt ist und die Bewertungen wenig Spielraum für weitere Kursgewinne lassen. In einem Quartal, in dem Anleihen den Ton angeben, ist Disziplin wichtiger als Momentum.- Ende der Nachricht
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