Capital | Der Ausverkauf bei US-Techaktien setzt sich fort – Sorgen um nachlassenden KI-Boom
Kyle Rodda, Senior Finanzmarkt Analyst der Capital.com
- Geopolitische und innenpolitische Risiken in den USA verstärken die Risikoaversion
Investmentfonds.de - Der Ausverkauf bei US-Technologieaktien setzte sich am Freitag fort, da die Berichtssaison den hohen Erwartungen nicht gerecht wird. Der NASDAQ rutschte in den Bereich einer technischen Korrektur, nachdem die Ergebnisse von Amazon und Intel weitere Zweifel am sogenannten KI-Trade aufkommen ließen.
Quartalszahlen der S&P-500-Unternehmen
Die Quartalszahlen der S&P-500-Unternehmen sind insgesamt betrachtet zwar weiterhin stark. Das Gewinnwachstum für das dritte Quartal steuert nach wie vor auf knapp 30 % zu. Analysten rechnen für das darauffolgende Quartal mit einem ähnlichen Ergebnis. Allerdings nimmt die Zahl der Unternehmen ab, die die Erwartungen übertreffen. Auch das Ausmaß der positiven Überraschungen fällt geringer aus – insbesondere beim Umsatz. Zudem wurde die Prognose für das Gewinnwachstum im vierten Quartal leicht nach unten korrigiert.Besonders enttäuschend sind die Ergebnisse der Unternehmen aus den sogenannten „Magnificent Seven“, die bestenfalls verhalten ausfallen. Am Markt setzt sich zunehmend die Einschätzung durch, dass die schwächere Monetarisierung von KI und das nachlassende Wachstum der Investitionsausgaben (CAPEX) auf einen Technologiesektor hindeuten, der sich übernommen hat und sich auf geringere künftige Renditen einstellt.
Einziger Lichtblick: Die Bewertungen haben inzwischen Niveaus erreicht, die historisch als attraktiv gelten. Das für die kommenden zwölf Monate erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis (Forward-KGV) des S&P 500 liegt unter seinen Fünf- und Zehnjahresdurchschnitten.
Kursrückgang an der Wall Street
Der Kursrückgang an der Wall Street ist kein isoliertes Phänomen. Auch die Bewertungen spiegeln inzwischen die Erwartungen höherer Zinsen und die zunehmende Unsicherheit an den Märkten wider. Die zahlreichen Zentralbanktreffen in der vergangenen Woche haben den Marktteilnehmern erneut vor Augen geführt, dass die Zinsen mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter steigen werden, da der globale Inflationsdruck zunimmt.Wachsende Gefahr einer erneuten Eskalation
Gleichzeitig hält die wachsende Gefahr einer erneuten Eskalation des Krieges zwischen den USA und dem Iran die Ölpreise in der Nähe ihrer Mehrjahreshochs. Spekulationen nehmen zu, dass die USA nach den Zwischenwahlen neue Angriffe auf den Iran vorbereiten. Auch die US-Zwischenwahlen sorgen traditionell für höhere Marktvolatilität und eine gedämpfte Anlegerstimmung. Entsprechend vorsichtig agieren die Marktteilnehmer vor der Wahl in dieser Woche. Umfragen sowie Wett- und Prognosemärkte deuten auf eine sogenannte „Blue Wave“ hin – einen deutlichen Wahlerfolg der Demokraten.Handelsstart in Asien
Die globalen Märkte können zudem nicht mit einem ruhigen Wochenauftakt rechnen: Die Futures signalisieren einen schwachen Handelsstart in Asien. Auch die Ergebnisse von Apple werden von Bedeutung sein. Zwar eignen sie sich nur bedingt als Gradmesser für den KI-Boom, da sich das Unternehmen aus dem viel zitierten technologischen Wettrüsten weitgehend heraushält. Dennoch dürften die Zahlen genau beobachtet werden. Entscheidend wird sein, wie sich die Nachfrage nach Apples neuester Produktpalette entwickelt und welches Wachstum der Konzern im schwächelnden und hart umkämpften chinesischen Markt erzielen kann.Darüber hinaus dürften neue geopolitische Schlagzeilen zum Iran-Krieg sowie die Positionierung der Anleger im Vorfeld der US-Zwischenwahlen das Markt Geschehen bestimmen.
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