Mediolanum | Anleihemärkte unter Druck: Staatsanleihen attraktiv, erste Risse bei Unternehmensanleihen
Daniel Loughney, Anleihechef bei Mediolanum International Funds
Investmentfonds.de - Dublin, 2. November 2026. Anleihen sind wieder im Trend: Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen lag Ende letzter Woche bei rund fünf Prozent, und weltweit zahlen Staaten inzwischen im Durchschnitt mehr als vier Prozent für ihre Schulden. Als Reaktion auf die höhere Inflation und die trotz aller Unsicherheit robuste Konjunktur haben viele Zentralbanken die Zinsen angehoben – die Europäische Zentralbank (EZB) um 50 und die Federal Reserve (Fed) um 25 Basispunkte. Das lange Zeit verbreitete Argument, Aktien seien alternativlos, hat damit an Überzeugungskraft verloren: Inzwischen gibt es eine Alternative – und diese bietet mehr als fünf Prozent Rendite.
Risikoprämien bei Staatsanleihen übertrieben
Die bisherigen Zinserhöhungen und die Erwartungen an die künftige Geldpolitik haben die Anleiherenditen auf ein Niveau getrieben, das zuletzt Ende der 1990er Jahre erreicht wurde. Das hat die finanziellen Rahmenbedingungen verschärft und dazu beigetragen, die Inflationserwartungen zu dämpfen. Zugleich verlangen Anleger angesichts hoher Haushaltsdefizite höhere Zinsen für Staatsanleihen. Das wirft Fragen zur Tragfähigkeit der Staatsverschuldung auf. Besonders deutlich zeigte sich diese Entwicklung in Frankreich: Die Kurse französischer Staatsanleihen fielen Anfang September deutlich, während der Renditeaufschlag gestiegen ist. Diese Ausweitung der Spreads greift zudem allmählich auch auf andere Emittenten der Eurozone über.Die Sorgen über die Tragfähigkeit der Staatsverschuldung sind zwar durchaus berechtigt. Allerdings preisen die Märkte unserer Meinung nach zu hohe Risiken ein. Auch die Bank of England sowie einige Mitglieder der Fed haben darauf hingewiesen, dass die Geldmarktrenditen höher liegen, als es ihren eigenen geldpolitischen Erwartungen entspricht.
Verschärfte Finanzierungsbedingungen sorgen für erste Risse
Trotz hoher Energiepreise und steigender Zinsen haben sich die Märkte für Unternehmensanleihen dieses Jahr größtenteils widerstandsfähig gezeigt. Die Risikoaufschläge blieben sowohl bei Investment-Grade- als auch bei High-Yield-Anleihen auf einem historisch niedrigen Niveau, gestützt durch solide Fundamentaldaten und die robuste Nachfrage seitens der Anleger.Im September begannen sich die Risikoaufschläge jedoch auszuweiten. Dazu dürfte auch der zunehmende Wettbewerb um Anlegerkapital beigetragen haben: Neben den attraktiveren Renditen von Staatsanleihen drängen sich zunehmend auch KI-Hyperscaler auf den Anleihemarkt, um ihre Investitionen zu finanzieren – und Emittenten müssen damit konkurrieren. Doch das ist nicht alles. Anleger fragen sich auch zunehmend, wie lange das Wirtschaftswachstum der aggressiven Straffung der finanziellen Rahmenbedingungen standhalten kann – und ab wann die höheren Finanzierungskosten die Unternehmen belasten. Besonders gefährdet sind dabei Emittenten mit niedrigerem Rating sowie Unternehmen in Ländern wie Frankreich, deren Staatsfinanzen unter Druck stehen. Das gilt nicht nur für die Industrieländer, denn auch in den Schwellenländern haben die Spreads begonnen, sich auszuweiten – und schaffen Gegenwind für das weitere Wirtschaftswachstum und Risikoanlagen.
Zentralbanken dürften geldpolitischen Kurs wieder lockern
Dieses schwierige Umfeld für Anleihen dürfte noch eine Weile anhalten. Allerdings halten wir das Renditeniveau für überhöht. Wir gehen davon aus, dass die Zentralbanken einen weniger restriktiven geldpolitischen Kurs kommunizieren werden, um die von den Märkten eingepreiste Straffung abzumildern. Dies dürfte die Renditen langlaufender Anleihen sinken lassen. Angesichts des derzeit hohen Renditeniveaus stehen wir Staatsanleihen daher positiv gegenüber.Die Aussichten für Unternehmensanleihen hängen davon ab, ob die Zentralbanken rechtzeitig reagieren. Je länger die hohen Renditen anhalten, desto stärker geraten die Unternehmensanleihemärkte unter Druck. Investment-Grade-Anleihen bieten nur begrenzten Schutz vor einer Ausweitung der Risikoaufschläge. Hochzinsanleihen – CCC-Ratings ausgenommen – weisen dagegen ein besseres Risiko-Ertrags-Profil auf.
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