Capital | Weitere Zinserhöhungen durch die Zentralbanken erwartet
Daniela Hathorn, Senior Finanzmarkt Analystin der Capital.com
Investmentfonds.de - Die Märkte starten defensiv in die neue Woche. Die erneute Eskalation im Nahen Osten und zunehmend restriktive Erwartungen an die Geldpolitik der Notenbanken belasten die Risikobereitschaft. Die asiatischen Aktienmärkte gaben nach, gefolgt von Europa, während die US-Futures auf eine schwächere Eröffnung hindeuten.
Das Umfeld für Aktien wird zunehmend schwieriger: Die Ölpreise ziehen erneut kräftig an, die Anleiherenditen bleiben auf erhöhtem Niveau und die Märkte rechnen in dieser Woche mit möglichen Zinserhöhungen sowohl durch die US-Notenbank Fed als auch durch die Bank of Japan.
Der Ölmarkt bleibt damit einmal mehr das bestimmende geopolitische Thema. Brent verteuerte sich um mehr als 3 % auf rund 106 US-Dollar je Barrel, nachdem der Preis bereits in der vergangenen Woche um fast 9 % gestiegen war. Auslöser waren neue Angriffe auf die Schifffahrt in der Straße von Hormus sowie ein Drohnenangriff, der Saudi-Arabien dazu veranlasste, seine Ost-West-Pipeline vorübergehend stillzulegen. Der Vormarsch der Huthi im Jemen sorgt zudem für zusätzliche Sorgen rund um Bab al-Mandab und die saudische Infrastruktur.
Besonders relevant ist, dass das für heute geplante Treffen zwischen dem Iran und den Golfstaaten im Oman über eine mögliche Wiederöffnung der Straße von Hormus Berichten zufolge verschoben wurde. Damit fällt einer der wenigen potenziellen kurzfristigen Auslöser für eine Deeskalation weg.
Der Ölpreisschock schlägt unmittelbar auf die Zinsmärkte durch. Der überraschend hohe US-Verbraucherpreisbericht vom Freitag veranlasste die Märkte, die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung der Fed um 25 Basispunkte am Mittwoch auf rund 88 % hochzuschrauben. Zudem wird zunehmend eine weitere Zinserhöhung bis Jahresende eingepreist.
Die Kerninflation stieg im Monatsvergleich um 0,3 %, während lediglich 0,2 % erwartet worden waren. Dies stützt das Argument von Kevin Warsh, dass die Inflation weiterhin zu hartnäckig sei, als dass sich die Fed zurücklehnen könne.
Damit steht eine ungewöhnlich wichtige Woche für die globalen Notenbanken bevor. Die EZB hat ihren Straffungskurs bereits wieder aufgenommen. Die Fed könnte am Mittwoch erstmals seit 2023 die Zinsen erhöhen. Die Bank of England dürfte am Donnerstag an ihrem aktuellen Leitzins festhalten. Für Freitag preisen die Märkte eine Wahrscheinlichkeit von rund 77 % für eine Zinserhöhung der Bank of Japan auf 1,25 % ein.
Der Yen notiert mit rund 154 Yen je US-Dollar weiterhin nahe einem Siebenmonatshoch. Anleger stellen sich auf eine weitere geldpolitische Straffung in Japan ein, während sich der Zinsabstand zwischen den USA und Japan zunehmend verringert.
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