Capital | Einbrechende Ölpreise treiben zyklische Werte an und bescheren der Wall Street Kursgewinne
Kyle Rodda, Senior Finanzmarkt Analyst der Capital.com
- Wechselhafte Kursbewegungen münden nach den US-Zwischenwahlen in eine Erholungsrally.
- Die Aufmerksamkeit richtet sich auf die US-Arbeitsmarktdaten für Oktober (Non-Farm Payrolls).
Investmentfonds.de - Die globalen Märkte haben turbulente 24 Stunden hinter sich. Die Marktteilnehmer reagieren auf die sogenannte „Blue Tsunami“, die durch den US-Kongress gerollt ist. Im Zuge der US-Zwischenwahlen kam es an den Märkten zu heftigen Kursbewegungen in beide Richtungen. Letztlich hat sich die Entwicklung jedoch als ausgesprochen positiv erwiesen. Anfangs hatten Anleger noch erhebliche Bedenken hinsichtlich der Risiken, die von zahlreichen demokratischen Kandidaten ausgehen, die im Wahlkampf eine strengere Regulierung des Technologiesektors sowie eine Verlangsamung oder gar einen Stopp des KI-Ausbaus gefordert hatten. Diese Sorgen wichen jedoch, nachdem US-Präsident Trump zugesichert hatte, das Wahlergebnis zu akzeptieren, und seine Bereitschaft signalisierte, mit dem künftig von den Demokraten dominierten Kongress zusammenzuarbeiten.
Die Märkte begrüßen zudem die künftig stärkere Kontrolle der Exekutivgewalt sowie eine insgesamt ausgewogenere Machtverteilung, die verhindern dürfte, dass eine politische Seite die wirtschaftspolitische Agenda allein bestimmt. Der US-Dollar gab ebenso wie die Anleiherenditen nach. Dahinter steht die Erwartung, dass die konkurrierenden Prioritäten der beiden ausgabefreudigen politischen Lager zu einer gewissen politischen Blockade führen könnten. Dies würde die Staatsausgaben begrenzen, den Inflationsdruck verringern und das Wachstum der US-Staatsverschuldung verlangsamen. Unterdessen brachen die Rohölpreise ein. Ein Grund dafür ist die Erwartung, dass ein stärker von den Demokraten geprägter Kongress in der Außenpolitik mehr Widerstand leisten könnte, da die Demokraten versuchen werden, die Kontrolle des Parlaments über die Befugnisse zum Einsatz militärischer Gewalt zurückzugewinnen.
Die stärksten Bewegungen waren über Nacht am Ölmarkt zu beobachten. Ausschlaggebend waren die Auswirkungen des Wahlergebnisses sowie die zunehmenden Hoffnungen auf Friedensgespräche zwischen den USA und dem Iran. Die sinkenden Ölpreise sorgten an der Wall Street dafür, dass zyklische Aktien besser abschnitten als der Gesamtmarkt. Gleichzeitig unterstützten sie den Rückgang der Anleiherenditen und des US-Dollars, da die Inflationsrisiken zumindest geringfügig nachließen.
Offen bleibt allerdings, ob diese Entwicklung von Dauer sein wird. Bislang gibt es lediglich verbale Signale hinsichtlich möglicher Friedensgespräche. Zugleich wächst die Sorge, dass Präsident Trump, dessen politischer Einfluss nach den Zwischenwahlen zunehmend schwindet, in der Außenpolitik aktiver und möglicherweise auch risikofreudiger agieren könnte. Schließlich gibt es für ihn weniger politische Anreize, Zurückhaltung zu üben, während er versucht, die politische Agenda weiterhin zu beeinflussen. Vorerst preisen die Marktteilnehmer jedoch die geopolitische Risikoprämie aus, die sich im Vorfeld der Zwischenwahlen aufgebaut hatte. Damals hatten Befürchtungen bestanden, die USA könnten nach der Wahl neue Angriffe starten.
Die asiatischen Märkte dürften überwiegend positiv in den Handel starten. Sinkende Anleiherenditen und ein schwächerer US-Dollar, die Erholung der Technologiewerte und die eingebrochenen Ölpreise bilden gemeinsam einen kräftigen Rückenwind für die Region. Die positive Nachwirkung der US-Zwischenwahlen könnte durchaus noch eine Weile anhalten – zumindest, wenn saisonale Muster als Orientierung dienen. Zum Wochenausklang richtet sich die Aufmerksamkeit jedoch wieder auf die US-Zinsperspektiven. Morgen werden die US-Arbeitsmarktdaten für Oktober (Non-Farm Payrolls) veröffentlicht.
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