Capital | Geopolitische Risiken halten an, da die USA und der Iran die Energieinfrastruktur bedrohen
Kyle Rodda, Senior Finanzmarkt Analyst der Capital.com
- Wall Street gibt zum Handelsschluss nach – Ergebnisse der „Magnificent Seven“ stehen bevor
- Die EZB tagt und wird voraussichtlich die Zinsen unverändert lassen, wobei der Fokus auf den geldpolitischen Leitlinien liegt
Derzeit zeigen sich die Märkte zu Beginn des neuen Handelstages zurückhaltend. Der Krieg im Nahen Osten wirkt weiterhin dämpfend, wobei sich die rhetorischen Auseinandersetzungen zwischen den USA und dem Iran angesichts der anhaltenden Feindseligkeiten weiter verschärfen. Drohungen gegen die Energieinfrastruktur sind erneut aufgekommen. Die USA haben angekündigt, Kraftwerke und Brücken anzugreifen, sollte der Iran Schiffe in der Straße von Hormus angreifen, während die Iraner erklärt haben, dass die Energieanlagen in den Golfstaaten in diesem Fall als Vergeltungsmaßnahme ins Visier genommen würden. Solche extremen Drohungen, die größtenteils von US-Präsident Donald Trump ausgehen, haben sich in der Vergangenheit als Vorboten sogenannter TACOs erwiesen – er äußert sich am bombastischsten, bevor er die Lage wieder entschärft. Derzeit gibt es jedoch kaum Anzeichen für einen Dialog oder diplomatische Bemühungen zwischen den USA und dem Iran. Das deutet darauf hin, dass die Feindseligkeiten – und damit auch die Ölpreise – noch weiter eskalieren könnten.
Im Mittelpunkt des asiatischen Handels stehen die australischen Arbeitsmarktdaten für Juni. Ökonomen prognostizieren einen verhaltenen Arbeitsmarkt mit einem Zuwachs von 16.000 Arbeitsplätzen im Monatsvergleich, wobei die Arbeitslosenquote unverändert bei 4,4 % bleiben dürfte. Die Daten erscheinen zu einem Zeitpunkt, an dem sich die RBA an einem Scheideweg befindet und zunehmend zwischen den beiden Seiten ihres Mandats hin- und hergerissen ist. Die Inflation ist mit einem „Trimmed Mean“-Verbraucherpreisindex von 3,6 % zu hoch und liegt über dem Zielwert. Angesichts der Anzeichen für eine schleppende Einstellungstätigkeit und einer nachlassenden Konjunktur hat die Zentralbank jedoch in letzter Zeit eine abwartende Haltung eingenommen, um zunächst die Auswirkungen der bisherigen Zinserhöhungen auf die Wirtschaft einzuschätzen. Die Preisbildung an den Zinsmärkten spiegelt die Unsicherheit und das Aufwärtsrisiko für die künftige Geldpolitik der RBA wider. Derzeit deuten die Cash-Rate-Futures auf eine Wahrscheinlichkeit von rund 80 % für eine weitere Zinserhöhung hin.
Die globalen Märkte werden im Laufe des europäischen Handelstages auch die Sitzung der Europäischen Zentralbank im Blick behalten. Die EZB hat nach ihrer geringfügigen Zinsanpassung bei ihrer letzten Sitzung eine abwartende Haltung in der Geldpolitik eingenommen. Seit dieser Anhebung haben sich die Rohölpreise wieder in Richtung 100 US-Dollar pro Barrel bewegt, doch die europäischen Verbraucherpreisindexdaten blieben hinter den Erwartungen zurück, was auf einen schwächeren Inflationsdruck innerhalb der Eurozone hindeutet. In einer Welt, in der „Forward Guidance“ zunehmend an Bedeutung verliert, werden die Märkte genau beobachten, wie sich die EZB zur künftigen Risikobilanz für die Wirtschaft der Eurozone äußert. Insbesondere wird es darum gehen, ob die Zentralbank mit ihrem einheitlichen Mandat ein ähnliches Risiko sieht, dass steigende Ölpreise zu einem Anstieg des Inflationsdrucks in der Wirtschaft führen könnten – ein Umstand, der bereits Anlass für ihre letzte Zinserhöhung war.
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