Capital | Rohölpreise brechen ein, da sich die geopolitischen Risiken zwischen den USA und dem Iran abschwächen
Kyle Rodda, Senior Finanzmarkt Analyst der Capital.com
Investmentfonds.de - Die durch den Ölpreis ausgelöste Rallye an der Wall Street war nur von kurzer Dauer, da der Markt erneut durch einen Ausverkauf bei Technologieaktien belastet wurde. Möglicherweise handelt es sich dabei lediglich um eine Risikoreduzierung im Vorfeld eines bedeutenden Ereignisrisikos. Die FOMC-Sitzung dieser Woche steht „vor der Tür“, wobei die Märkte die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung auf etwa 30 % schätzen, während eine Zinserhöhung bis September bereits vollständig eingepreist ist. Unterdessen legen in den kommenden Tagen die nächsten vier der „Magnificent Seven“ ihre Ergebnisse vor: Microsoft, Meta, Apple und Amazon stehen auf dem Programm. Diese Unternehmen verkörpern das zentrale Thema, das derzeit die Stimmung an den Märkten belastet: übermäßige Investitionsausgaben und Ausgaben von KI-Unternehmen, von denen Anleger befürchten, dass sie die Renditen schmälern werden.
Diese Befürchtungen wurden im US-Handel durch die Ankündigung von Nvidia angeheizt, dass das Unternehmen OpenAI die Finanzierung für den Ausbau von Rechenzentren garantieren und etwas Geld in ein hochkarätiges Forschungslabor investieren werde. Die Nachricht schürte erneut Spekulationen über zirkuläre Finanzierungen in einer angeblich fragilen – und der Theorie zufolge implizit Ponzi-ähnlichen – KI-Branche. Zwar geben eine Fehlallokation von Ressourcen und eine Risikokonzentration auf eine Handvoll miteinander vernetzter Unternehmen Anlass zur Sorge, was Wachstum, Anlagerenditen und Kreditrisiko angeht, doch ist es etwas irreführend, die Vorgänge bei der KI-Finanzierung als „zirkulär“ zu bezeichnen. Es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass derselbe Dollar von einem Unternehmen weitergereicht wird, um damit lediglich die Verbindlichkeiten gegenüber dem nächsten Unternehmen zu begleichen (und so weiter).
Der Rückgang der Ölpreise ist beträchtlich und mindert damit einige der Inflationsrisiken, die sich aus den höheren Energiepreisen ergeben und die bisher Aufwärtsdruck auf die Zinserwartungen und Renditen sowie Abwärtsdruck auf Teile des Aktienmarktes ausgeübt haben. Diese Entwicklung erfolgt im Rahmen einer Art „stillen TACO“-Maßnahme der Trump-Regierung, wobei die plötzliche Aussetzung der Luftangriffe gegen den Iran – angeblich aufgrund einer Kombination aus deren strategischer Wirkungslosigkeit und der Befürchtung, dass die Abfangraketen zur Neige gehen könnten – den Anstoß für diesen Schritt gab. Dennoch spricht US-Präsident Trump erneut von der Aussicht auf ein Abkommen mit dem Iran. Angesichts der angespannten Beziehungen zwischen den Ländern sind jedoch weiterhin Eskalationen möglich. Vorerst lässt das geopolitische Risiko jedoch nach.
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