Capital | Die Wall Street fällt, während die Renditen am langen Ende steigen, trotz sinkender Ölpreise
Kyle Rodda, Senior Finanzmarkt Analyst der Capital.com
- Die Aufmerksamkeit richtet sich auf den australischen Verbraucherpreisindex vor den wichtigen PCE-Index-Daten
Investmentfonds.de - Die US-Aktienmärkte gaben nach, da steigende Renditen am langen Ende der US-Zinskurve die Aktienbewertungen belasteten. Dies geschah im Vorfeld mehrerer wichtiger US-Konjunkturdaten, die in den kommenden Tagen veröffentlicht werden. Die verhaltene Marktbewegung erfolgte trotz eines deutlichen Rückgangs der Rohölpreise, nachdem die Trump-Administration eine erneute Freigabe von Ölreserven aus der Strategic Petroleum Reserve angekündigt hatte, um den Aufwärtsdruck auf die Energiepreise zu begrenzen.
An den globalen Märkten bleibt der Anstieg der Finanzierungskosten ein zentrales Thema. Ein ungünstiges Zusammenspiel von Angebots- und Nachfragefaktoren verstärkt die Erwartungen, dass die Weltwirtschaft über ihrem Produktionspotenzial operiert und zugleich mit anhaltend erhöhtem Inflationsdruck konfrontiert bleibt.
In den USA rückt die Inflationsentwicklung heute mit der Veröffentlichung des von der US-Notenbank bevorzugten Inflationsmaßes in den Fokus. Die für August erwarteten Daten zum PCE-Preisindex dürften weiterhin einen deutlich über dem Inflationsziel der Fed liegenden und nur langsam nachlassenden Preisdruck in der US-Wirtschaft ausweisen. Für die Gesamt- und Kerninflationsrate des PCE wird jeweils ein unveränderter Wert gegenüber dem Vormonat von 3,7 % bzw. 3,3 % im Jahresvergleich erwartet. Problematischer dürfte die monatliche Kerninflationsrate sein, für die ein Anstieg auf 0,3 % prognostiziert wird, was einer annualisierten Rate von rund 3,6 % entsprechen würde.
Der Markt preist derzeit eine Wahrscheinlichkeit von rund 50 % für eine weitere Leitzinserhöhung der Fed im Oktober ein. Nach vergleichsweise expansiveren Äußerungen aus den Reihen der Fed sind diese Erwartungen über Nacht deutlich zurückgegangen. Die heutigen Inflationsdaten könnten die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Leitzinserhöhung wieder erhöhen oder – im Falle einer positiven Inflationsüberraschung – deutlich reduzieren.
Für die asiatischen Märkte zeichnet sich erneut ein uneinheitlicher Handelsauftakt ab. Die stark zyklisch geprägte Region steht dabei nicht nur unter dem Einfluss höherer globaler Anleiherenditen, sondern zusätzlich unter dem Druck eines stärkeren US-Dollar.
Im weiteren Tagesverlauf stehen mit den australischen Verbraucherpreisdaten weitere Inflationsindikatoren auf der Agenda. Nach der gestrigen Leitzinserhöhung der Reserve Bank of Australia (RBA) erwarten die Volkswirte ebenfalls einen anhaltend erhöhten Preisdruck. Insbesondere die viel beachtete Trimmed-Mean-Kerninflationsrate dürfte mit 3,6 % im Jahresvergleich unverändert auf erhöhtem Niveau liegen.
Die aktuelle Marktpreisbildung spiegelt die Erwartung wider, dass eine weitere Leitzinserhöhung der RBA weniger eine Frage des „Ob“ als vielmehr des „Wann“ ist. Die heutigen Inflationsdaten werden daher insbesondere daran gemessen werden, ob sie die derzeit am Markt eingepreiste Wahrscheinlichkeit von rund 45 % für eine weitere Leitzinserhöhung bei der nächsten RBA-Sitzung im November bestätigen oder infrage stellen.
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